Brunnenkresse

Wissenschaftlicher Name: Nasturtium officinale
Pharmazeutischer Name: Nasturtii herba
Synonyme: Bachbitterkraut, Bachkresse, Bitterkresse, Bachbitterkraut, Bornkassen, Grabenkresse, Kersche, Wasserkresse, Wassersenf
Familie: Brassicaceae (Kreuzblütler)

Heimat & Botanik

Die wintergrüne Brunnenkresse ist eine ursprünglich in Eurasien und Nordafrika beheimatete Sumpfpflanze, mittlerweile gedeiht sie weltweit. Allerdings ist ihr Bestand in einigen Regionen stark gefährdet. Das Kraut bildet runde, kahle Stängel, die hohl sind und knapp einen Meter lang werden können. Sie verfärben sich nach der Blüte lila. Die Laubblätter sind unpaarig gefiedert und setzen sich oft aus zwei bis vier Fiederpaaren zusammen.

Der schirm- bis traubenförmige Blütenstand bildet sich zwischen Mai und Juli und besteht aus zahlreichen Einzelblüten mit vier weißen, bis zu vier Millimeter langen Kronblättern und sechs Staubblättern mit sechs Staubbeuteln in ihrer Mitte. Nach der Blüte reifen bis zu zwei Zentimeter lange Schoten, die bis zu sechzig Samen bergen.

Der Name "Brunnenkresse" bezieht sich auf das Wachstum der Pflanze in Gewässern. der botanische Name "Nasturtium" hat einen lateinischen Ursprung. Er setzt sich aus "nasus" für Nase und "torquere"  für quälen zusammen und bezieht sich den scharfen Geruch und Geschmack des Krauts. Der Zusatz "officinale" bedeutet "in der Offizin erhältlich", d. h. die Pflanze war in Apotheken früher vorrätig.

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • neutral bis warm

Geschmack

  • leicht scharf
  • fad
  • salzig
  • leicht bitter
  • leicht süß
  • aromatisch

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Niere, Blase, Leber, Gallenblase, Milz, Magen

Nässe ausleitendes Kraut

Kraut, das das Nieren-Yang behandelt

  • wärmt Nieren-Yang und leitet Nässe und Schleim aus: Harnstau, Nierengrieß, Ödeme, Lymphstau, Lymphknotenschwellung, Rückenschmerzen, kalte Extremitäten

Wind und Nässe eliminierendes Kraut (Bi-Syndrome)

Kälte, Wind und Nässe eliminierendes Kraut

  • Gelenkbeschwerden, Rheuma

Qi bewegendes Kraut 

Leber-Qi bewegendes Kraut

  • Frühjahrsmüdigkeit, Hypothyreose, Cholelithiasis, Durchblutungsstörungen, Völlegefühl im Epigastrium, Stoffwechselaktivierend, Verhärtungen lösend            

Mitte regulierendes Kraut
Scharfes, Mitte regulierendes Kraut

  • erwärmt und bewegt das Qi der Mitte z. B. bei Nahrungsstagnation
  • krampflösend, Verdauungssäfte anregend
  • Verdauungsstörungen, Völlegefühl, Blähungen, Appetitlosigkeit, Fettunverträglichkeit, Adipositas

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Frisches Kraut

  • 20 g über den Tag verteilt essen

Infus

  • 1 Teelöffel pro Tasse
  • 10 - 15 Minuten abgedeckt ziehen lassen
  • 2 - 3 x täglich 1 Tasse

Frischpflanzensaft, Extrakte und Tinkturen

  • Dosierung nach Herstellerangaben

Brunnenkresse sollte nur kurweise und nicht dauerhaft angewendet werden.

Wir setzten Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

  • Reizung der Magenschleimhaut

Vorsicht

Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen. 

Kontraindikationen

  • Ulcus ventriculi et duodeni
  • chronische Nierenerkrankung
  • Kinder unter 12 Jahren aufgrund des scharfen Geschmacks
  • Daueranwendung

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Brunnenkresse kann die Wirkung einiger Gerinnungshemmer dämpfen und die Wirkung von diuretisch wirkenden Antihypertensiva verstärken. Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.

Pflanzenstoffe

Glucosinolate

  • darunter Glucoiberin, Gluconapin, Gluconasturtiin, Glucoraphanin, Glycoalyssin, Progoitrin und Sinigrin, deren biologisch aktive Metabolite unter dem Einfluss von Myrosinase entstehen. Hierbei handelt es sich unter anderem um Isothiocyanate wie Epithionitrile, Nitrile, Oxazolidine-2-thione und Thiocyanate.

Flavonoide

  • wie Isorhamnetin, Quercetin, Rutin

Gerbstoffe

  • Catechine

Phenolcarbonsäuren

  • z. B. Chlorogen-, Gallus-, Kaffeesäurederivate

Polysaccharide

  • z. B. Mannose

Vitamine

  • B-Vitamine, Vitamin C

Ätherisches Öl

  • u. a. Myristicin

Pigmente

  • β-Carotinoide, Chlorophyll, Lycopene

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • antioxidativ
  • antiinflammatorisch
  • antibakteriell
  • diuretisch
  • kardioprotektiv
  • tumorprotektiv

Geschichte & Mythologie

Die Brunnenkresse war bereits in der Antike und im Mittelalter eine bekannte Heilpflanze. Während Dioskurides sie als diuretisch wirkende Heilpflanze schätzte, bevorzugte Hildegard von Bingen ihren verdauungsfördernden Effekt. In Deutschland wird sie seit dem 17. Jahrhundert angebaut. Insbesondere die Region Erfurt erlangte diesbezüglich mit dem Kressepark in ihrem Dreibrunnenfeld Berühmtheit. Der dortige Anbau der Brunnenkresse veranlasste Napoleon die Pflanze in Versaille einzuführen.

Quellen