Wissenschaftlicher Name: Betula pendula, Betula alba
Pharmazeutischer Name: Betulae folium, Betulae pendulae gemma, Betulae pubescens gemma (Moorbirke)
Synonyme: Hängebirke, Weißbirke
Familie: Betulacea (Birkengewächs)
Die Birke ist ein Baum der nördlichen Spähre, sie kann in kargen, feuchten, aber auch trockenen Böden wachsen. Als Pionierpflanze hat sie sie keine Ansprüche und besiedelt brachliegende Flächen und neue Böden. Einzigartig ist ihre weiße Rinde, die sich horizontal abschälen kann. Dadurch sind Birken weithin sichtbar und lassen sich leicht von anderen Bäumen unterscheiden. Nur bei alten Bäumen verliert sich das Weiß und die Borke wird bräunlich. Ab Lichtmess oder Imbolc, um den 2.Februar herum erwacht sie aus dem Winterschlaf und beginnt, das sogenannte Birkenwasser nach oben zu zierkulieren. Dieser Saft ist süßlich und wird gerne als Birkenwasser abgezapft, da er eine wunderbare Frühjahrskur zur Entschlackung, Reinigung und Regeneration ist. Als nächstes beginnen die Kätzchenblüten zu blühen. Allergiker:innen wissen ein Lied davon zu singen. Der Pollenstaub wird von dem Wind davon getragen und kann den ersten Heuschnupfen bescheren. Die Birkenblätter sind klein rauten- und verkehrt Herzförmig, die Ränder sind doppelt gezähnt. Männliche und weibliche Kätzchen sind an einem Baum und die geflügelten Samen werden auch vom Wind davongetragen. Im Birkenholz ist eine brennbare Substanz eingelagert, sodass das Holz auch im frischen Zustand brennen kann.
Birken sind schnellwachsend und können eine Höhe von 30 Metern gut erreichen. Vereinzelte Exemplare werden größer. Insgesamt können sie ein Alter von ca 160 Jahren erreichen.
Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.
Tropismus: Blase, Niere, Leber, Milz, Dreifacher Erwärmer
Die Birke ist seit Jahrtausenden eine Begleiterin der Menschen. Sie liefert leicht entzündbares Brennholz, die geschälte papierne Rinde diente und dient zur Herstellung vielerlei Untensilien und Kleidung, Birkenkohle wurde verwendet und mit Birkenteer wurden Dinge wie Werkzeugteile miteinander verklebt. Der Saft ist nahrhaft und die Blätter ergeben eine gute Arznei, um den Organismus zu reinigen. Die Birke steht seit alters her für die wiederkehrende Jugend, den Beginn des Jahres und Regeneration. Hier spiegelt sich die Tradition, sie zur Verjüngung, als Frühjahreskur und für die Haut zu benutzen.
Sie wirkt aber vor allem Hitze kühlend und diuretisch. Das bedeutet, dass sie bei Bi-Syndromen, versulztem Gewebe, Parasiten und anderen hitzigen Zuständen stark entschlackend und schmerzlinderd wirken kann. Ihre Domäne ist der Unteren Erwärmer, sie hat auf Nieren und Blase einen großen Einfluss. Der diuretische Aspekt zeigt ihre absenkende Wirkung und auch Kopfsymptome wie rote Augen werden von ihr gut behandelt.
Eine interessante Anwendung ist in der anthroposophischen Medizin erforscht. Dort wird sie bei Neuromen, einer schmerzhaften Verdickung verletzter Nerven, zum Beispiel durch Operationen, direkt in das betroffene Gebiet gespritzt. Die Neurome können sich zurück bilden und der Schmerz verringer sich.
Wind-Hitze eliminierendes Kraut – aufsteigendes Kraut
Kraut, das das Blasen-Qi behandelt
Hitze-Wind und Nässe eliminierendes Kraut (Bi-Syndrom)
Leere Hitze behandelndes Kraut
Toxische Hitze kühlendes Kraut
Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.
Tropismus: Blase, Niere, Dreifacher Erwärmer
Das Gemmomazerat der Hängebirke ist vor allem ein Fülle eliminierendes Mazerat. Es beseitigt insbesondere Nässe und feuchte Hitze.
Kraut, das das Milz-Qi und den San Jiao behandelt
Kraut, das das Blasen-Qi behandelt
Hitze, Wind und Nässe eliminierendes Kraut
Nässe trocknendes Kraut (feuchte Hitze)
Tropismus: Blase, Niere, Leber, Herz, Schleimhäute
Das Gemmomazerat der Moorbirke leitet wie das der Hängebirke Fülle aus und raut jedoch Jing deutlich stärker auf als das der Hängebirke. Dabei kühlt es Hitze stärker als das Gemmomazerat der Hängebirke und hat einen breiteren Tropismus. In der Zusammensetzung der Pflanzenstoffe unterscheidet sich das Gemmomazerat der Moorbirke nur quantitativ von dem der Hängebirke.
Kraut, das das Blasen-Qi behandelt
Hitze, Wind und Nässe eliminierendes Kraut
Nässe trocknendes Kraut (feuchte Hitze)
Wir setzen Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt.
Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 12 Jahren. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen.
Treten unter der Behandlung Fieber, Krämpfe beim Wasserlassen, Dysurie oder Hämaturie auf oder verschlechtern sich die Beschwerden, sollten ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden.
Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.
Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Insbesondere gibt es qualitative Unterschiede zwischen Betula pendula, der Hängebirke, und Betual pubescens, der Moorbirke. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.
Die von uns bei der Erstellung der Inhalte für diese Webseite verwendeten Fachbücher sind im Literaturverzeichnis einsehbar. Darüber hinaus basieren die Inhalte zu dieser Pflanze auf folgenden Quellen:
> HPMC-Monographie der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA)
> Referenzliste der EMA
> Rastogi S, Pandey MM, Singh Rawat AK. Medicinal plants of the genus Betula--traditional uses and a phytochemical-pharmacological review. J Ethnopharmacol. 2015 Jan 15:159:62-83.