Wissenschaftlicher Name: Artemisia vulgaris
Pharmazeutischer Name: Artemisiae herba
Synonyme: Gemeiner Beifuß
Familie: Astaceae (Korbblütler)
Der in Europa, Nordafrika und Asien beheimatete gewöhnliche Beifuß wird durchschnittlich etwa einen halben bis eineinhalb Meter hoch und wächst bevorzugt auf feuchten Böden auf Schuttplätzen, an Wegrändern oder neben Hecken und Büschen. Er ist bis etwa eineinhalb Meter tief verwurzelt und hat aufrechte, wenig behaarte Stängel mit fiederschnitten zwei bis fünf Zentimeter lange und bis zu drei Zentimeter breite Laubblätter, der Oberseite dunkelgrün ist, während die Unterseite filzig behaart ist und daher grau-weiß schimmert.
Der Beifuß blüht von Juli bis September, wobei seine zahlreichen, unscheinbaren Blüten in rispenförmigen Blütenständen zusammenstehen. Die radiärsymmetrischen Blütenkörbe von maximal drei Millimeter Durchmesser haben filzig behaarte Hüllblätter und gelbe oder rotbraune Röhrenblüten, die nur drei Millimeter lang sind.
Es besteht Verwechslungsgefahr der Blätter mit denjenigen des blauen Eisenhuts, der sehr giftig ist. Der Name Beifuß entwickelte sich aus dem althochdeutschen Verb "bōʒen" für "stoßen" oder "schlagen". Möglicherweise ist diese Bezeichnung darauf zurückzuführen, dass Beifuß Dämonen abstoßen sollte. Denkbar ist aber auch, dass er mit der Tatsache im Zusammenhang steht, dass man die Blätter gestoßen hat. Die Silbe "Fuß" bezieht sich auf eine Überlieferung von Plinius, der zu Folge die Ausdauer beim Laufen durch Beifuß gesteigert werden kann. Der botanische Name "Artemisia" bezieht sich auf die gleichnamige griechische Göttin der Jagd, des Waldes und der Geburt - und damit auf eine traditionelle Anwendung von Beifuß in der Frauenheilkunde. Der Zusatz "vulgaris" stammt aus dem Lateinischen und heißt "gewöhnlich" oder "gemein".
Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.
Tropismus: Leber, Gallenblase, Uterus, Milz, Magen, Niere, Blase
Qi bewegende und das Innere wärmendes Kraut
tonisiert Qi von Milz und Magen, aktiviert Yun Hua Funktion
Kälte, Wind und Nässe eliminierendes Kraut
Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.
Wir setzten Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt.
Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen.
Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.
Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.
Der Beifuß wurde schon in der Antike medizinisch genutzt, doch es ist unklar, ob es sich wirklich um den gemeinen Beifuß handelte, da es viele Artemisia-Arten gibt. Plinius empfahlen in jedenfalls gegen Ermüdung bei Wanderungen. Spätestens seit dem Mittelalter und der frühen Neuzeit setzte man ihn zur Behandlung von “Frauenleiden” sowie bei Verdauungsstörungen oder zur Anregung des Harnfluss ein. Später sollte er auch die Fruchtbarkeit fördern.
Beifuß spielte auch eine wichtige Rolle bei alljährlichen Festen. In den Rauhnächten räucherte man mit Beifuß, um Dämonen zu vertreiben; in der Johannisnacht tanzte man mit einem Kranz aus Beifuß um das Feuer, bevor man den Kranz verbrannte, um gleichzeitig Anfeindungen zu beenden. Beifuß sollte Hexen einst ebenso abwehren wie Blitze.
Die von uns bei der Erstellung der Inhalte für diese Webseite verwendeten Fachbücher sind im Literaturverzeichnis einsehbar. Darüber hinaus basieren die Inhalte zu dieser Pflanze auf folgenden Quellen:
> Ekiert H, Pajor J, Klin P et al. Significance of Artemisia Vulgaris L. (Common Mugwort) in the History of Medicine and Its Possible Contemporary Applications Substantiated by Phytochemical and Pharmacological Studies. Molecules. 2020 Sep 25;25(19):4415.
> Abiri R, Silva ALM, de Mesquita LSS et al. Towards a better understanding of Artemisia vulgaris: Botany, phytochemistry, pharmacological and biotechnological potential. Food Res Int. 2018 Jul;109:403-415.