Pflanzenname

Wissenschaftlicher Name: Cinnamomum ceylonicum
Pharmazeutischer Name: Cinnamomi cortex, Cinnamomi ceylanici corticis aetheroleum, Cinnamomi ceylanici folii aetheroleum
Synonyme: Zimmet
Familie: Lauraceae (Lorbeergewächse)

Heimat & Botanik

Der ursprünglich in Sri Lanka und Indien beheimatete Zimtbaum zwischen sechs und achtzehn Meter hoch und immergrün. An seinen Zweigen wachsen gegenständig die ovalen, ledrigen, glattrandigen, ei- bis lanzettförmigen und bis zu sechzehn Zentimeter langen Laubblätter, die anfangs rot, später dunkelgrün sind. Die Blattspreiten haben eine spitze oder abgerundete Basis und laufen am anderen Ende spitz zu. Ihre Blattadern an der Blattunterseite sind hellgelb oder weiß. Die Blätter riechen nach Gewürznelken. Die kleinen, weißen, radiärsymmetrischen Blüten des Zimtbaums wachsen an rispenförmigen Blütenständen in den Blattachseln. Die Früchte ähneln Eicheln, es handelt sich um Steinfrüchte.

Die medizinisch verwendete Zimtrinde gewinnt man, in dem man von den dünnen Ästen den Kork und die äußerliche Rinde abschält, während die Rinde über einem Rundholz liegt. Die innere Rinde rollt sich dabei ein, was den "Zimtstangen" ihr charakteristische Aussehen verschafft, sobald mehrere Rindenstücke ineinander gesteckt sind.

Der Name "Zimt" hat seinen Ursprung im lateinischen Wort "cinnamum" bzw. dem altgriechischen Wort "kinnámōmon", auf denen auch der botanische Name beruht. Der Zusatz "ceylonicum" leitet sich vom ehemaligen Namen Sri Lankas, Ceylon, ab.

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • warm

Geschmack

  • scharf
  • süß
  • aromatisch

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Herz, Milz, Magen, Lunge, Nieren, unterer und mittlerer Jiao, Leitbahnen

Hauptindikation von Zimtrinde ist das Wärmen des Inneren, insbesondere bei einer Schwäche des Mingmen-Feuers, bei Kälte in den Leitbahnen, sowie bei Kälte im unteren und mittleren Jiao. Dabei bewegt es Qi und Blut. Zimtrinde kann in Qi und Blut tonisierenden Rezepturen niedrig dosiert über seine wärmende und bewegende Kraft die Bildung von Qi und Blut unterstützen.

Das Innere erwärmendes Kraut

Qi bewegendes und das Innere wärmendes Kraut

  • krampflösend, wärmt Milz-Qi/-Yang bzw. das Abdomen, zerstreut Kälte im Verdauungstrakt: Nahrungsstagnation, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Diarrhö, Dyspepsie, Bauchschmerzen
  • wärmt Nieren-Yang: Libidomangel, Impotenz, Blasenschwäche, Nachträufeln, Polyurie, Schmerzen in LWS und Knie
  • unterstützt die Lunge beim Empfang von Qi: Atemnot, kalte Extremitäten
  • wärmt Herz-Yang und die Leitbahn: kalte Extremitäten, Durchblutungsstörungen in der Peripherie, Depression, Antriebslosigkeit
  • Schmerzen der Hernien durch Kälte
  • Kälte in der Leitbahn: Dysmenorrhö, Amenorrhö, unregelmäßige Menstruation, postpartale Schmerzen

Wind und Nässe eliminierendes Kraut (Bi-Syndrome)

Kälte, Wind und Nässe eliminierendes Kraut

  • Schmerzen durch Kälte und Nässe: Gelenkschmerzen, Rheuma, kalte Extremitäten, Muskel- und Gliederschmerzen

Qi bewegendes Kraut 

Leber-Qi bewegendes Kraut

  • bewegt Qi und Blut in den Leitbahnen, erwärmt den Uterus: Dysmenorrhö, unregelmäßige Menstruation

Mitte regulierendes Kraut
Scharfes Mitte regulierendes Kraut

  • aktiviert Milz und Magen, wärmt bei Kälte im Verdauungstrakt: Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Dyspepsie, Diarrhö, Nahrungsstagnation, Appetitlosigkeit, Diabetes

Blut bewegendes und Stase lösendes Kraut

  • durchblutungesfördernd und wärmend im Uterus: Dysmenorrhö, unregelmäßige Menstruation, Amenorrhö

Shen aktivierendes Kraut

  • Depression, Antriebslosigkeit

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Infus

  • 0,5 - 1 g pro Tasse
  • 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen
  • bis zu vier Tassen täglich
  • Tagesdosis 2 - 4 g Rinde

Tinktur

  • 2 - 4 ml pro Tag

Extrakt

  • Dosierung nach Herstellerangaben

Wir setzten Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

  • allergische Reaktionen auf das im ätherischen Öl enthaltene Zimtaldehyd
  • bei Überdosierung von Zimt oder seinem ätherischem Öl können folgende Beschwerden auftreten
    • Tachykardie, Schwindel, Gesichtrötung, Sehstörungen
    • Tachypnoe
    • Schweißausbrüche
    • beschleunigte Darmperistaltik
    • Übelkeit und Erbrechen
    • Dysurie, Anurie
    • Taubheit der Zunge
    • Schläfrigkeit

Vorsicht

Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen zumal Zimt zum Abort führen kann. Wir warnen ausdrücklich vor einer gezielten Anwendung zum Abtreiben wie dies aus historischen Quellen überliefert ist, da dies zu lebensbedrohlichen Blutungen führen kann.

Kontraindikationen

  • bekannte Unverträglichkeit von Zimt, Tolu- oder Perubalsam
  • Ulcus ventriculi et duodeni
  • erhöhtes Blutungsrisiko einschließlich Hypermenorrhö
  • Hitze-Blutungen
  • Schwangerschaft
  • fieberhafte Erkrankungen
  • Yang-Fülle mit Yin-Leere, Blut-Hitze, Fülle-Hitze

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Zimt kann die Löslichkeit von Tetrazyklinen beeinträchtigen und sollte mit diesen nicht kombiniert werden. Es ist zudem der Fall einer akuten Hepatitis nach gemeinsamer Anwendung mit Rosuvastatin dokumentiert. Weiterhin kann die antidiabetische Wirkung von Metformin unterstützen. Eine Reduktion der medikamentösen Therapie sollte jedoch nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden. Dies gilt insbesondere für eine eventuelle Kombination von Cassia-Zimt-Zubereitungen mit Gerinnungshemmern.

Informationen zum Cumaringehalt von Zimt

Die aus China stammende Cassia-Zimtrinde ist dicker als die Zimtrinde aus Sri Lanka und enthält deutlich mehr Cumarin als Ceylon-Zimt. Cumarin ist ein Aromastoff, der unter anderem die Blutgerinnung hemmen kann und ab einer bestimmten Dosis lebertoxisch wirken kann. 2011 hat die EU deshalb den Höchstgehalt für Cumarin in verzehrsfertigen Lebensmitteln wie folgt geregelt: Die tolerierbare Cumarin-Dosis (TDI-Wert) liegt bei 0,1 mg/ kg Körpergewicht. Eine Überschreitung dieses Werts ist für Erwachsene nur möglich, wenn sie täglich große Mengen an zimthaltigen Lebensmitteln verzehren. Kleinkinder mit einem Körpergewicht von 15 kg können den TDI-Wert allerdings schon mit sechs kleinen Zimtsternen (30 g) oder 100 g Lebkuchen erreichen. 


Für Zimtstangen und Zimtpulver gibt es keinen Höchstwert für den zulässigen Gehalt an Cumarin. Cassia-Zimt enthält im Schnitt etwa drei Gramm Cumarin pro Kilogramm Zimt, eine erwachsene Person mit einem Körpergewicht von 60 Kilogramm erreicht den TDI-Wert daher bereits mit dem Verzehr von zwei Gramm Cassia-Zimt pro Tag; ein Kleinkind mit einem Körpergewicht von 15 kg dürfte hierfür maximal 0,5 g Cassia-Zimt täglich zu sich nehmen. Zum Vergleich Ceylon-Zimt enthält gemäß dem Deutschen Arzneibuch weniger als 8 mg Cumarin pro Kilogramm. Wir empfehlen daher immer einen Blick auf die Verpackung zu werfen. Da viele Produkte auch Mischungen aus Cassa- und Ceylon-Zimt sind, lautet unser Rat Zimt aus Sri Lanka bzw. reinen Ceylon-Zimt zu bevorzugen. 

Quelle: Stellungnahme Nr. 036/2012 des Bundesinstituts für Risikobewertung vom 27. September 2012

Pflanzenstoffe

ätherisches Öl

  • v. a. Zimtaldehyd sowie Eugenol, Zimtalkohol, Methoxyzimtaldehyd 

Diterpene

  • z. B. Cinnzeylanol

Phenolcarbonsäuren

  • z. B. Chlorogen-, p-Cumar, Gallus-, Protocatechu-, Vanillinsäure

Gerbstoffe

  • u. a. oligomere Procyanidine, Cinnamtannin B1, Epicatechinderivate

Flavonoide 

  • z. B. Quercetin

Cumarin

Spuren

Sterole

  • β-Sitosterol

Polysaccharide und Zuckeralkohole

  • u. a. Mannit, Schleimstoffe

Mineralstoffe

  • Calcium, Eisen, Mangan

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • antioxidativ
  • antiinflammatorisch
  • antimikrobiell
  • karminativ
  • antidiabetisch
  • lipidsenkend
  • tumorprotektiv

Geschichte & Mythologie

Ceylon-Zimt gelangte in nennenswertem Umfang erst mit dem Seefahrer Vasco di Gamma nach Europa. Er war jedoch schon im Mittelalter als Delikatesse bekannt. In China wurde er bereits vor gut 4.000 Jahren in Quellen erwähnt. Wahrscheinlich gelangte er zuerst auf Handelswegen nach Ägypten, wo er zum Einbalsamieren der Mumien verwendet wurde, und von dort über das römische Reich nach Europa. Im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit war Venedig ein Handelszentrum für Zimt. Nach den Portugiesen und Niederländern übernahmen die Briten im 18. Jahrhundert die Kontrolle über den Zimthandel.

Quellen