Yohimbe

Wissenschaftlicher Name: Pausinystalia yohimbe
Pharmazeutischer Name: Yohimbae cortex
Familie: Rubicaceae (Rötegewächse)

Heimat & Botanik

Bei der in tropischen Zonen Afrikas beheimateten Yohimbe handelt es sich um einen immergrünen Baum, der bis zu dreißig Meter hoch wächst. Der an der Basis geriffelter Stamm hat eine feinrissige, braune Borke. Die ledrigen, glattrandigen, verkehrt-ei- oder lanzettförmigen Laubblätter sind kurz gestielt, haben eine herz- bis keilförmige Basis und stehen zu dritt in Wirteln zusammen. Sie sind bis zu achtzehn Zentimeter breit und bis zu fünfundvierzig Zentimeter lang.

End- und achselständig bilden sich Rispen mit den sich verfärbenden Blüten. Diese wechseln ihre Farbe von weiß über gelb bis hin zu rot oder violett. Kelch- und Kronblätter sind becherförmig. Die Pflanze bildet Kapselfrüchte mit zahlreichen Samen.

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • warm

Geschmack

  • bitter
  • scharf

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Niere, Blase

Das Innere erwärmendes Kraut

Qi bewegende und das Innere wärmendes Kraut

  • aktiviert Nieren-Yang: Nykturie, Polyurie, Erschöpfung, Erektionsstörung, potenzsteigernd, aphrodisierend, Angstzustände
  • aktiviert Herz Qi-/Yang: geistige Erschöpfung, kalte Extremitäten, Schweiße

Blut bewegendes und Stase lösendes Kraut

gute Wirkung auf unteren Rücken und gesamten Beckenraum

Adstringierendes Kraut

Jing aufrauendes Kraut

  • Erektionsstörung

Nieren-Qi festigendes Kraut bei Polyurie und Enuresis

  • Harninkontinenz, Ejaculatio praecox

Shen beruhigendes Kraut

Shen beruhigendes und harmonisierendes Kraut

  • Angstzustände, Schlafstörungen

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Infus

  • Tagesdosis 0,5-1 g

Fertigarzneimittel

  • Dosierung nach Herstellerangaben

Die Anwendung von Yohimbe sollte ausschließlich und nur nach fachkundiger Beratung erfolgen!

Wir setzten Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

  • Unruhe, Ängste und Erregungszustände bis hin zu Panikattacken
  • Reizbarkeit
  • Tachykardie
  • Tachypnoe
  • Brustschmerzen bis hin zum Bronchospasmus
  • Hypertonie - es sind auch Fälle von Blutdruckabfall beschrieben
  • Kopfschmerzen
  • Tremor
  • Schweißausbrüche
  • Schüttelfrost
  • Schwindel
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
  • Magenschmerzen und Ulcus ventriculi et duodeni
  • Harndrang
  • Speichelfluss
  • Schlafstörungen
  • allergische Reaktionen

Im Falle einer Überdosierung wurden Fälle von Halluzinationen und Herzinfarkt mit Todesfolge beobachtet.

Hinweis

Vorsicht! Dosis nicht überschreiten wegen der toxischen Wirkung der Alkaloide. Koffein kann die Wirkung verstärken!

Kontraindikationen

  • Frauen, Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
  • bekannte Unverträglichkeit
  • Erkrankungen von Herz, Leber, Magen, Darm, Niere oder Schilddrüse
  • Epilepsie
  • Erkrankungen der Psyche
  • neurologische Erkrankungen
  • Einnahme von Herz-Kreislauf-Medikamenten, Antidepressiva, Sedativa, Monoaminoxidasehemmern oder Koffein (s. Wechselwirkungen)
  • Alkoholkonsum

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Es sind zahlreiche Wechselwirkungen von Yohimbin mit Medikamenten bekannt. Die Arzneipflanze darf nicht mit Arzneistoffen kombiniert werden, die das zentrale Nervensystem beeinflussen. Hierzu gehören unter anderem Antidepressiva, Sedativa einschließlich Beruhigungs- und Schlafmittel, Alkohol, Koffein und Arzneistoffen, die die Monoaminoxidase hemmen, serotonerg oder dopaminerg wirken. Ebenso ist die gemeinsame Anwendung mit Antiarrhythmika, Antihypertensiva oder anderen Medikamenten zur Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen kontraindiziert. Ferner beeinflusst Yohimbin die Aktivität von Enzymen, die am Abbau von Medikamenten beteiligt sind und kann so deren Bioverfügbarkeit beeinflussen. Weitere Wechselwirkungen, die hier nicht aufgelistet sind, sind nicht ausgeschlossen und müssen ggf. aufgrund des aktuellen Stands der wissenschaftlichen Erkenntnisse überprüft werden.

Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken deshalb immer gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden. Patienten sollten für ein entsprechendes Beratungsgespräch unbedingt eine Liste aller Medikamente mitbringen, die sie einnehmen.

Pflanzenstoffe

Alkaloide

  • Yohimbin - gebildet aus der Aminosäure Tryptophan und dem Secoiridoid Secolangin - sowie seine Stereoisomere wie Corynanthin, α-Yohimbin, β-Yohimbin, ψ-Yohimbin, Allo-Yohimbin, Yohimbinsäure 

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • noradrenerg
  • durchblutungsfördernd durch Blockade der α2-Adrenozeptoren in den peripheren und zenttralen Blutgefäßen
  • hypertensiv durch Vasokonstriktion; betroffen sind auch die Herzkranzgefäße
  • kardiotoxisch
  • serotonerg
  • dopaminerg
  • aphrodisierend
  • potenzsteigernd

Geschichte & Mythologie

In West- und Zentralafrika wurde Yohime traditionell als Potenzmittel genutzt. Aufgrund der zahlreichen Nebenwirkungen und Risiken, die mit der Anwendung verbunden sein können, ist der Vertrieb als Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmittel in vielen Ländern nicht mehr erlaubt.