Weidenröschen, kleinblütiges

Wissenschaftlicher Name: Epilobium parviflorum
Pharmazeutischer Name: Epilobii parviflorii herba
Synonyme: Antinskraut, Feuerkraut, Frauenhaar, Waldröschen, Waldweidenröschen, Koptischer Tee
Familie: Oenotheracea (= Onagracea) (Nachtkerzengewächse)

Heimat & Botanik

Das kleinblütige Weidenröschen ist eine einheimische Art und gehört zu den Nachtkerzengewächsen. Es ist mehrjährig, bildet ein flache Wurzel aus und kann 20 - 100 cm hoch werden. es liebt feuchte, nährstoffreiche und basische, das heißt auch kalkhaltige Böden. Es wächst einzeln und bildet keine Horste. die lanzettlichen Blätter stehen einander gegenüber, die rosa bis purpurfarbenen Blüten erscheinen einzeln am Ende des Triebes. Sie sind auffällig und gar nicht so klein, wie der name vermuten lässt. Dieser bezieht sich auf eine andere Art, die deutlich größere Blüten hat. Die Blüten sind radiärsymmetrisch und haben 4 herzförmige Kronblätter. Auffällig ist der lange, auch rosafarbige Fruchtknoten, der die Blüte praktisch in die Höhe streckt. Diese Pflanzengeste kündigt die heilkundliche Wirkung auf die Geschlechtsorgane bei den Menschen an. Nach der Befruchtung durch die Pollen muss der Pollen tief hinein in den Fruchtknoten gebracht werden, um die Samen auszubilden. Während der Reifung wächst hier eine 3 -7 cm lange Kapselfrucht, die im Endstadium aufspringt und die silbrig behaarten Samen entlässt. 

Die Blütezeit ist von Juni bis in den September hinein. Das kleinblütige Weidenröschen ist ein Dunkelkeimer und braucht dafür eine etwas wärmere Temperatur.

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • Kühl
  • trocknend

Geschmack

  • adstringierend
  • leicht bitter

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Niere, Blase, Prostata, Gebärmutter

Es sind zwei Arten des Weidenröschens im Handel: das kleinblütige und das schmalblättrige Weidenröschen. Wir schreiben hier von kleinblütigen Weidenröschen, welches feuchten, nahrstoff- und kalkreichen Lehm-Boden mag und gut im Halbschatten wächst. Im Gegensatz dazu lebt das schmalblättrige in kalkarmen, eher trockenen und gut durchlässigen Böden. Es liebt die volle Sonne und bildet mit einem starken Rhizom große Horste aus. Pharmazeutisch werden sie oft gleichgesetzt. Sie haben aber einen unterschiedlichen Habitus. Das schmalblättrige ist sehr vegetativ wüchsig, denn es kann sich auch ohne Samen weit ausbreiten, während das kleinblütige allein steht und sich ausschließlich über die Samen vermehrt. Man kann somit eine mehr bewegende Wirkung beim schmalblättrigen und eine mehr kühlende und sogar Yin tonisierende Wirkung beim kleinblütigen Weidenröschen erwarten.

Das kleinblütige Weidenröschen hat zwei Schwerpunkte: den Unteren Erwärmer mit Blase, Nieren,  Gebärmutter und Prostata und die Haut. Es kühlt und eliminiert feuchte Hitze unst ein wichtiger Bote für die Prostata.

Schleim außerhalb der Lunge behandelndes Kraut

Erweicht Schleimstagnation im Unteren Erwärmer

  • benigne Prostatahypertrophie, Miktionsstörungen

Wind und Nässe eliminierendes Kraut

Hitze -Wind und Nässe eliminierendes Kraut (BI-Syndrom)

  • Rheuma, Rheuma mit Kopfschmerzen
  • postoperatives Brennen beim Wasserlassen

Hitze kühlendes Kraut

Nässe trocknendes Kraut

  • akute und chronische Prostatitis, Harnwegsinfekten
  • Candida albicans u.a. Pilzerkrankungen, Gastritis, Enteritis, Colitis
  • Nierenerkrankungen
  • zusätzlich bei Prostata- und Gebärmutterhalstumoren, Blasenkrebs

Qi bewegendes Kraut

Leber-Qi bewegendes Kraut

  • Reizblase, Niereninsuffizienz
  • Menstruationsschmerzen

Haut behandelndes Kraut

  • Schleimhautläsionen, Akne, (bes. Propionibacterium -Akne und Staphylokokkus aureus), Pilzinfektionen
  • Schuppenflechte
  • viel in Kosmetik: Lotionen, Haarwässer und andere Hautpflegemittel

Bote zur Prostata

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Infus

  • 1,5 - 2 g pro Tasse (1 TL = ca. 0,8 g)
  • 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen
  • 2 x täglich 1 Tasse

Trockenextrakt

  • Dosierung nach Herstellerangaben

Wir setzen Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

Nicht bekannt.

Vorsicht

Bei Schwangeren, stillenden Müttern, Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist die Anwendung weder indiziert, noch empfohlen.

Treten unter der Behandlung Fieber, Krämpfe beim Wasserlassen, Dysurie oder Hämaturie auf oder verschlechtern sich die Beschwerden, sollten ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden.

Kontraindikationen

  • bekannte Überempfindlichkeit

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.

Pflanzenstoffe

Gerbstoffe

  • Ellagitannine wie Oenithin A und B sowie Gallussäurederivate wie Epilobamind A

Flavonoide

  • z. B. Isomyrecetin, Kämpferol, Myricetin, Quercetin, Rutin und ihre Derivate wie Afzelin, Guajaverin, Hyperosid, Isoquercitrin, Juglalin, Quercitrin u. v. m.

Phenolcarbonsäuren

  • z. B. Caffeoylchina-, Chlorogen-, Ellag-, Ferula-, Hydroxybenzoe-, Neochlorogen-, Protcatechu-, Vanillin-, Zimtsäure

Sterole

  • z. B. ß-Sitosterol, Sterolester

Fettsäuren

Triterpenoide

  • Betulin, Erythrodiol, Corol-, Maslin-, Oleanol-, Ursolsäure, Uvaol

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Art, Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • analgetisch
  • antioxidativ
  • antiinflammatorisch
  • bakterizid
  • antimykotisch
  • tumorprotektiv

Geschichte & Mythologie

Maria Treben sagt, dass die Arten: Epilobium angustifolium und Epilobium hirsutum NICHT für die Prostatabehandlung genommen werden sollen!

Quellen