Wissenschaftlicher Name: Juniperus communis
Pharmazeutischer Name: Juniperi pseudofructus, Juniperi galbulus, Juniperi gemma
Synonyme: Heide-Wacholder, Machandelbeere
Familie: Cupressaceae (Wacholdergewächse)
Der in Europa wie in Nordafrika, Nord-, Ost- und Zentralasien heimische Heide-Wacholder ist ein säulenförmiger Strauch oder Baum von bis zu zwölf Meter Höhe, den man auf Magerwiesen, in der Heide oder in Wäldern bis 4.000 Meter Höhe antreffen kann. Er hat eine graue oder rotbraune Borke und eine typische kegelförmige Krone. An den aufrecht wachsenden Zweigen befinden sich bis zu zwei Zentimeter lange, nadelförmige Blätter in 3-blättrigen Quirlen. Die Blätter haben an ihrer Oberseite einen charakteristischen blauweißen Wachsstreifen.
Der Heide-Wacholder ist meist zweihäusig. Die gelben männlichen Blüten werden im Vorjahr als Zapfen angelegt und blühen von April bis Juni. Die aufrechten, weiblichen Blüten werden von spitzen Schuppenblättern umzingelt. Ihre Samenanlagen liegen frei und sind nicht von Fruchtblättern umhüllt, weshalb man ihn als Nacktsamer einstuft. Da die zunehmend Fruchtblätter fehlen und somit nach der Befruchtung nicht abfallen können, hüllen die fleischig verdickten oberen Schuppenblätter die Samenanlagen ein. Deshalb sind die kugelförmigen Beeren des Wacholders "Scheinbeeren" bzw. "Beerenzapfen", die sich beim Reifen im Laufe drei Jahren schwarzblau färben. Sie enthalten hellbraune Samen.
Der Name "Wacholder" hat seinen Ursprung im althochdeutschen Wort "wechalter" für "lebensfrischer" oder "immergrüner" und bezieht sich darauf, dass er ganzjährig grün bleibt. Unter Umständen leitet sich der Name aber auch von "wickeln" ab, da man seine Zweige zum Flechten verwendet hat. Auch für die Herkunft des botanischen Namens "Juniperus" gibt es unterschiedliche Vermutungen. Er könnte sich vom Lateinischen "iūnis" für "jung" und "parere" für "gebären" darauf beziehen, dass er immergrün ist oder auf die abtreibende Wirkung der Beeren und "früh gebärend" bedeuten. Der Zusatz "communis" kann mit "gemein" oder "gewöhnlich "übersetzt werden.
Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.
Tropismus: Niere, Blase, Milz, Magen, Dickdarm, Lunge, Leber, Herz
Qi bewegendes und das Innere wärmendes Kraut
Kraut, das das Nieren-Yang behandelt
Kraut, das das Herz-Yang behandelt
Kälte, Wind und Nässe eliminierendes Kraut
Asthma behandelndes und Husten stoppendes Kraut
Aromatisches Mitte regulierendes Kraut
Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.
Tropismus: Niere, Blase, Leber
Der aus den Knospen von Wacholder gewonnene Auszug entfaltet seine Wirkung vornehmlich im Bereich von Balse, Niere, Gelenken, Leber und Uterus. Er wärmt und reguliert daher überwiegend die Wandlungsphasen Wasser und Holz.
Kraut, das das Nieren-Yang behandelt
Kälte, Wind und Nässe eliminierendes Mazerat
Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.
Wir setzten Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt.
Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen, zumal Wacholder emmenagog wirkt. Wir warnen ausdrücklich vor einer gezielten Anwendung zum Abtreiben wie dies aus historischen Quellen überliefert ist, da dies zu lebensbedrohlichen Blutungen führen kann. Für alle anderen Personengruppen sollte die Anwendung auf 6 Wochen beschränkt werden.
Bei einer Verschlechterung der Beschwerden, Fieber, Harnverhalten, Krämpfen beim Wasserlassen und blutigem Urin ist eine Abklärung der Beschwerden durch eine Ärztin oder einen Arzt erforderlich.
Die gemeinsame Anwendung mit entwässernd wirkenden Arzneistoffen wie Diuretika, sollte unterbleiben. Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.
Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.
Vor dem Wacholder ging man einst in die Knie, weil man ihn sehr verehrte. Da er sehr alt wird und viele Früchte unterschiedlichen Reifegrads an seine Ästen vereint, symbolisierte Lebenskraft pur, weswegen man ihn unter anderem auf dem Hut mit auf die Wanderschaft nahm. Die spitzen Nadeln des Wacholders sollten zudem vor Dämonen, Teufel und Hexen schützen. So wurden vielerorts die Ställe mit Wacholder ausgeräuchert, um die bösen Geister fern zu halten.
Wacholder hatte aber auch seinen Nutzen im Alltag: Damit die Butter nicht verdirbt, rührte man sie in Bayern nur mit einem Stab aus Wacholderholz an. In Norddeutschland räucherten die Hebammen dagegen mit Wacholder, wenn ein Neugeborenes immerzu schrie.
Die von uns bei der Erstellung der Inhalte für diese Webseite verwendeten Fachbücher sind im Literaturverzeichnis einsehbar. Darüber hinaus basieren die Inhalte zu dieser Pflanze auf folgenden Quellen:
> HPMC Monographie der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) für die Beeren
> Jojić AA, Liga S, Uţu D et al. Beyond Essential Oils: Diterpenes, Lignans, and Biflavonoids from Juniperus communis L. as a Source of Multi-Target Lead Compounds. Plants (Basel). 2024 Nov 17;13(22):3233.
> Gonçalves AC, Flores-Félix JD, Coutinho P, Alves G, Silva LR. Zimbro (Juniperus communis L.) as a Promising Source of Bioactive Compounds and Biomedical Activities: A Review on Recent Trends. Int J Mol Sci. 2022 Mar 16;23(6):3197.