Rosmarin

Wissenschaftlicher Name: Rosmarinus officinalis
Pharmazeutischer Name: Rosmarini folium, Rosmarine aetheroleum
Synonyme: Anthoskraut, Meertau
Familie: Lamiaceae (Lippenblütler)

Heimat & Botanik

Der im Mittelmeerraum heimische Rosmarin ist ein immergrüner, charakteristisch duftender Halbstrauch, der stark verzweigt und deshalb dichte Büsche bildet. Unter optimalen Bedingungen kann er bis zu zwei Meter hoch ragen. An den braunen Ästen sitzen die ein bis vier Zentmeter langen Laubblätter gegenständig an einem kurzen Stiel. Sie sind sehr schmal, glatt und haben eine dicke Epidermis, so dass sie nahezu ledrig fest wirken. Die Blattränder sind nach innen gerollt und verhindern so das Austrocknen der Blätter, ihre Unterseite ist behaart.

Rosmarin blüht hierzulande ab April, in seiner Heimat ganzjährig. Meist stehen zwei bis zehn Lippenblüten in Scheinquirlen zusammen. Der glockige Kelch besteht aus zwei Lippen, wobei die Oberlippe drei und die Unterlippe zwei Spitzen hat. Die hellblauen Kronblätter bestehen aus einer zweiteiligen Oberlippe und unter eine dreiteiligen Unterlippe, deren löffelförmiger Mittellappen nach unten gewölbt ist. Unter der Oberlippe ragen die Staubblätter hervor.

Der Name Rosmarin könnte von "Ros Marinus" aus dem Lateinischen abgeleitet sein, was "Tau des Meeres" bedeutet und unter Umständen darauf verweist, dass Rosmarin am Meer gut gedeiht. Ebenso könnte der Name mit "rhops myrínos" bedeutet "wohlriechender Strauch" einen griechischen Ursprung haben. Der Zusatz “offizinalis” ist ein Hinweis darauf, dass die Arzneiopflanze im Verkaufsraum von Apotheken, der Offizin, gebräuchlich ist.

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • warm

Geschmack

  • Blätter: etwas scharf-aromatisch-harzig, bitter, etwas zusammenziehend
  • Gemmomazerat: aromatisch, bitter, scharf

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Rosmarinblätter (Rosmarini folium)

Tropismus: Leber, Herz, Milz, Darm

Oberfläche öffnendes Kraut

Wind-Kälte eliminierendes Kraut  

  • Infekt mit Kopfschmerzen, Gliederschmerzen mit Kälte

Das Innere erwärmende Kraut

Qi-bewegendes und das Innere wärmende Kraut 
Aktiviert Herz-Yang und Milz-Qi/Yang, wärmend; bewegent im mittleren und oberen Erwärmer. 

  • Kalte Extremitäten, geistige Erschöpfung, Müdigkeit, blasses Gesicht, Hypotonie.
  • Milz-Qi aktivierend: träge Verdauung, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Bringt das klare Yang zum Kopf: Brain Fog 

Aromatisches, Nässe aus der Mitte eliminierendes Kraut

Aktiviert Milz-Qi und unterstützt die Transformation sowie den Abtransport von Yang Nässe 

  • Adipositas, Völlegefühl

Wind und Nässe eliminierendes Kraut (BI-Syndrome)

Kälte, Wind und Nässe eliminierendes Kraut

  • Bote für die Extremitäten
  • erwärmt die Extremitäten bei Gelenkschmerzen durch Nässe-Kälte

Schleim außerhalb der Lunge behandelndes Kraut

Kraut, das die Herzöffnungen von Schleim befreit

  • Palpitationen, Unruhe, Depressionen, Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Schweregefühl, blasser Teint

Qi bewegendes Kraut

Leber-Qi bewegendes Kraut 

  • Kopfschmerzen
  • Menstruation auslösend: Amenorrhö, Periode schwach und selten, Dysmenorrhö
  • bewegt Leber-Blut zum Auge: Periphere Durchblutungsstörungen                                          

Herz-Qi bewegendes Kraut

  • Hypotonie
  • positiv inotrop, steigert die Herzkontraktionskraft, Schwindel, Konzentrationsstörungen

Shen aktivierendes Kraut

Vitalisierend, klärt die Sinne, Nervenstärkend

  • Konzentrationsstörungen, Gedächtnisschwäche, Depressionen, Antriebslosigkeit 

Botenkraut

Bote für die Extremitäten
 

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Gemmomazerat Rosmarin

Tropismus: Leber, Gallenblase, Herz mit Shen, Milz, Niere mit Knochen und Gehirn

Das Gemmomazerat des Rosmarins wärmt das Innere, bewegt Qi und Blut und adstringiert zugleich. Dabei raut es Jing auf. Darüber hinaus eliminiert es Schleim aus den Leitbahnen. Neben einem starken Bezug zu Wandlungspahse Holz mit Leber und Gallenblase, behandelt es vor allem die Wandlungspahse Erde mit der Milz sowie die Wandlungspahse Wasser mit der Niere. Hier sind auch Gehirn und die Knochen zugeordnet. Dabei aktiviert der Knospenauszug Shen. Für die Herstellung des Mazerats werden die Triebspitzen im Frühjahr gesammelt. Die Einnahme erfolgt morgens und mittags.

Inneres erwärmendes Mazerat

Qi bewegendes und das Innere wärmendes Mazerat

  • Kältegefühl, Durchblutungsstörungen in den Extremitäten, kalte Hände, kalte Füße, Hypotonie
  • Müdigkeit, Dysmenorrhö mit Kältegefühl
  • Nebennierenschwäche

Schleim außerhalb der Lunge behandelndes Mazerat

Schleim in den Leitbahnen transformierendes Mazerat

  • Fettstoffwechselstörungen, Hyperlipidämie, Adipsotias, Fettleber
  • Gallensteine
  • Arterioskleroseprophylaxe

Qi bewegendes Mazerat

Leber-Qi bewegendes Mazerat

  • Gallenstau, Gallenkoliken, Leberschwäche (Leberinsuffizienz), chronische Erkrankungen der Leber (adjuvant), erhöhte Transaminasen
  • Hormonschwankungen, Dysmenorrhö, Amenorrhö, klimakterische Beschwerden
  • Nervosität

Aromatisches Mitte regulierendes Mazerat

  • Oberbauchbeschwerden, Blähungen, Nahrungsmittelunverträglichkeit, Malabsorbtion 

Blut bewegendes und Stase lösendes Mazerat

  • Arterioskleroseprophylaxe, Thrombosepropyhlaxe, Durchblutungsstörungen in den Extremitäten, Dysmenorrhö

Adstringierendes Mazerat

Jing aufrauendes Mazerat

  • Impotenz, vorzeitiger Samenerguss, Libidomangel, frühzeitige Andropause
  • Amenorrhö, vorzeitige Menopause, Frigidität, Osteoprose
  • vorzeitiges Altern, Burn out

Shen aktivierendes Mazerat

  • Konzentrationsstörungen, Gedächtnisschwäche, Müdigkeit, Freudlosigkeit

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Infus

  • 1 - 2 pro Tasse (1 TL = ca. 2 g)
  • 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen
  • 2- 3 x 1 Tasse
  • Tagesdosis 2- 6 g

Frischpflanzentinktur der Samen

  • 1-3 x 3-5 Tropfen in Wasser oder nach Herstellerangaben

Tinktur der getrockenten Blätter

  • Dosierung nach Herstellerangaben

Gemmomazerat

  • nüchtern morgens und mittags 5-10 Tropfen oder 2-3 Sprühstöße
  • einspeicheln und 1 Minuten im Mund bewegen, erst dann schlucken
  • im Anschluss 5-10 Minuten nichts essen oder trinken

Bad

  • 50 g Blätter in einem Liter Wasser als Dekokt zubereiten:
    aufkochen und 15 - 30 Minuten ziehen lassen
  • max. 2 x pro Woche ein Bad von 10 - 20 Minuten Dauer

Ätherisches Öl

  • 6 - 10 % Zubereitungen zur äußerlichen Anwendung
  • Dosierung nach Herstellerangaben; in der Regel 2 x täglich

Wir setzten Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

  • allergische Reaktionen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Herzrhythmusstörungen

Vorsicht

Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 12 Jahren. Die Anwendung als Tee, Bad oder ätherisches Öl wird daher nicht empfohlen.

Bei Erkrankungen der Leber, der Gallengänge und der Gallenblase wie zum Beispiel Gallensteine, Verschluss der Gallenwege oder Cholangitis wird eine ärztliche Begleitung der Behandlung empfohlen.

Kontraindikationen

Tee

  • Kinder unter 12 Jahren
  • Schwangerschaft, da der Tee emmenagog wirken kann, zudem sind Bestandteile des ätherischen Öls toxisch für das ungeborene Kind
  • bekannte Überempfindlichkeit
  • Epilepsie
  • Vorsicht bei
    • Hypertonie
    • Fülle-Hitze
    • Blut- und Yin-Leere
  • nicht über längeren Zeitraum als Monodroge anwenden

Bad

  • Kinder unter 12 Jahren
  • Hypertonie und andere schwere Erkrankungen des Kreislaufs
  • Herzinsuffizienz
  • Epilepsie
  • bekannte Überempfindlichkeit
  • verletzte Haut und offene Wunden
  • Fieber und schwere Infektionen

ätherisches Öl

  • äußerlich bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren
  • innerlich bei Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern sowie bei Epilepsie
  • Hypertonie und andere schwere Erkrankungen des Kreislaufs
  • bekannte Überempfindlichkeit
  • Anwendung der verletzten Haut, auf Schleimhäuten oder am Auge
  • Fieber und schwere Infektionen

Gemmomazerat

  • Hypertonie
  • Epilepsie
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder und Jugendliche

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Rosmarin kann die Wirkung von Enzymen, die am Abbau von Medikamenten beteiligit sind, induzieren, so dass die Bioverfügkeit der betroffenen Arzneistoffe bis hin zur Wirkungslosigkeit sinken kann. Zudem sind Wechselwirkungen mit Gerinnungshemmern nicht ausgeschlossen. Weiterhin senkt Rosmarin die Krampfschwelle und sollte aus diesem Grund nicht mit Arzneistoffen kombiniert werden, die das Risiko für Krampfanfälle erhöhen. Eine gemeinsame Anwendung mit Immunmodulatoren oder Immunsuppressiva sollte unterbleiben. Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.

Pflanzenstoffe

ätherisches Öl

  • Borneol, Campher, β-Caryophyllen, 1,8 Cineol, p-Cymen Eugenol, Eucalyptol, Limonen, Linalool, Myrcen, α-Pinen, α-Terpinen, γ-Terpinen, Terpinen-4-ol, α-Terpineol. Verbenon u. v. a.

    Im Falle der verfügbaren ätherischen Öle des Rosmarins unterscheiden sich das spanische (Rosmarin ct. borneon), das marokkanische (Rosmarin ct. cineol) und das französiche (Rosmarin ct. verbenon) in ihrer qualitativen und quantitativen Zusammensetzung und damit auch in ihrer Wirkung. 

Phenolcarbonsäuren

  • z. B. Carnosin-, Chlorogen-, Kaffee-, Rosmarinsäurederivate

Terpene

  • Diterpene: u. a. Carnosol, Epirosmanol, Rosmadial, Rosmanol, Rosmaquinone A und B
  • Triterpene: u. a. Oleanol-, Ursolsäure

Flavonoide 

  • Diosmetin, Genkwanin, Luteolin u. a. 

Kohlenhydrate

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • vitalisierend
  • positiv inotrop
  • vasodilatativ
  • durchblutungsfördernd
  • antiinflammatorisch
  • muskelrelaxierend
  • analgetisch
  • antioxidativ
  • antimikrobiell
  • anxiolytisch
  • antidepressiv
  • neuroprotektiv
  • emmenagog
  • karminativ
  • spasmolytisch
  • antiadipös
  • lipidsenkend
  • antidiabetisch
  • antiproliferativ

Geschichte & Mythologie

Im antiken Griechenland war Rosmarin der Göttin der Liebe und Schönheit geweiht, Aphrodite. Menschen wie Götter schmückten sich nicht nur bei ihrer Hochzeit mit diesem Symbol der Liebe, auch zur Fruchtbarkeit von Frauen sollte er beitragen und die Potenz älterer Herren steigern. Die Phantasie ging dabei soweit, dass man glaubte, man müsse eine Person lediglich mit einem blühenden Rosmarinstrauch berühren, damit sie sich verlieben und zeitnah heiraten würde. Schlecht für Männer, wenn sie den Duft des Rosmarindufts nicht zu schätzen wussten: in diesem Fall ging man davon aus, dass sie zu wahrer Liebe unfähig seien. Bei allem Bezug zum Diesseits, war Rosmarin allerdings auch eine Totenpflanze.

Rosmarin war in der von Karl dem Großen erlassenen Landgüterverordnung "Capitulare de villis vel curtis imperii" aufgeführt und musste in den Klostergärten angebaut werden. Legendär ist das "Aqua Reginae Hungariae" (Wasser der ungarischen Königin) aus dem 16. Jahrhundert, ein Destillat aus frischen Rosmarinblüten und Alkohol. Es soll die unter Gicht leidende, gelähmte, 72-jährige Witwe und Königin Isabella von Ungarn, eine geborene Prinzessin von Polen, so verjüngt haben, dass ein polnischer König um ihre Hand anhielt. Doch Isabella lehnte das Angebot ab. Heute wird das Mittel immer noch gegen Falten beworben, wobei unterschiedliche Rezepturen im Umlauf sind.

Um die gleiche Zeit begann man Rosmarin als appetitanregendes, verdauungsförderndes, herzstärkendes und wundheilendes Kraut in der Volksmedizin zu nutzen.

Quellen