Meisterwurz

Wissenschaftlicher Name: Peucedanum ostruthium
Pharmazeutischer Name: Imperatoriae rhizoma
Synonyme: Astränze, Bergwurz, Durstwurz, Haarstrinzen, Hoorstrenza,Kaiserwurz, Magistranz, Ostrenza, Ostruz, Ostrutwurz, Rauschwurz, Stränze
Familie: Apiaceae (Doldenblütler)

Heimat & Botanik

Die im Alpenraum beheimatete Meisterwurz wird bis zu einen Meter hoch. Sie hat kräftiges Rhizom, das unterirdische Ausläufer bildet. Aus diesem sprießt der runde, gerillte, innen hohle Stängel, an dem die etwa dreißig Zentimeter langen, doppelt dreifach gefiederten Laubblätter sitzen. Die Blattfiedern haben eine elliptische bis lanzettliche Form und sind zugespitzt. Sie sind bis zu zehn Zentimeter lang und sieben Zentimeter breit. Ihr Rand ist gesägt und die Unterseite ist behaart.

Von Juni bis August blüht die Meisterwurz mit einer Doppeldolde mit bis zu fünfzig Strahlen unterschiedlicher Länge. Sie bilden einen flachen Schirm. Die Kronblätter der Einzelblüten sind weiß bis rötlich-weiß und verkehrt-eiförmig. Im Herbst reifen die fast runden, flachen Spaltfrüchte von vier bis fünf Millimeter Durchmesser.

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • warm

Geschmack

  • bitter, aromatisch-scharf

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Herz, Leber, Milz, Magen, Lunge, Niere

Oberfläche öffnendes Kraut

Weiqi aktivierendes und die Oberfläche öffnendes Kraut

  • Leitet Nässe-Kälte aus der Lunge: Infekte, Bronchitis, Sinusitis, Hustenstillend, Kopfschmerzen

Das Innere erwärmendes Kraut

Qi bewegende und das Innere wärmendes Kraut
Zerteilt kalten Schleim aus dem Kopf, Sinnesorgane klärend und durchblutend

  • wärmt und aktiviert die Yun Hua Funktion: breiiger Stuhl, Schweregefühl, Anregung sämtlicher Verdauungsenzyme, Stoffwechsel anregend, Dyspepsie, Roemheld-Syndrom, Meteorismus
  • Lumbalgie  

Wind und Nässe eliminierendes Kraut (Bi-Syndrome)

Kälte, Wind und Nässe eliminierendes Kraut 

  • Gicht, Ischialgie, Lumbalgie, Hüftgelenksentzündung, Arthrose, Knochenödeme

Schleim ausleitendes und Husten stoppendes Kraut

Kalten Schleim transformierendes und ausleitendes Kraut

  • Infekte, Bronchitis, Sinusitis, Rhinitis

Schleim außerhalb der Lunge behandelndes Kraut

Kraut, das die Herzöffnungen von Schleim befreit

  • Depressionen, Beklemmungen im Brustraum, Kurzatmigkeit, Unruhe, Antriebslosigkeit, Kreislauf aktivierend, Schweregefühl, blasser Teint, kalte Hände, Spannungen im Oberbauch

Qi bewegendes Kraut

Leber-Qi bewegendes Kraut

  • Kopfschmerzen, krampflösend auf Verdauungstrakt und Uterus, Amenorrhoe, Dysmenorrhoe

Adstringierendes Kraut

Schwitzen stoppendes Kraut

  • Tagschweiße durch Qi- und Yang-Mangel

Tonikum

Qi-Tonikum
Tonisiert Qi von Milz und Magen, aktiviert Yun Hua Funktion, Anregung der Verdauungsenzyme, appetitanregend

  • breiiger Stuhl, Müdigkeit, Schweregefühl, Dyspepsie, Roemheld-Syndrom, Meteorismus.  

Weiqi-Tonikum
antibakteriell, antiallergisch, antiseptisch

  • Lungen Qi aktivierend: Infektanfälligkeit, Bronchitis, Sinusitis

Yang-Tonikum
Bezug zum Knochenmark

  • Nieren Yang aktivierend: Potenz steigernd, Lumbalgie, Ischialgie, Knochenhautentzündung, Prolaps 

Shen aktivierendes Kraut

Sinnesorgane klärend und durchblutend, stimmungsaufhellend

  • Konzentrationsstörungen, Stimmungstiefs

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Infus

  • 1 Teelöffel pro Tasse
  • 20 Minuten abgedeckt ziehen
  • 3 x täglich 1 Tasse

Dekokt oder Kaltmazeration

  • 1 Teelöffel pro Tasse
  • evtl. in kaltem Wasser 2 Stunden einweichen, aufkochen, 5 Minuten köcheln lassen und dann 15 Minuten abgedeckt ziehen
  • 3 x täglich 1 Tasse

Frischpflanzentinktur

  • 1- 3 x täglich 3 - 5 Tropfen in Wasser
  • oder Dosierung nach Herstellerangaben

Wir setzten Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

  • erhöhte Lichtempfindlichkeit hellhäutiger Menschen aufgrund des Gehalts an Furanocumarinen
    Es wird dringend geraten, auf einen effektiven Sonnenschutz zu achten und Sonnenbäder zu vermeiden.
  • allergische Reaktionen
  • Beschwerden im Magen-Darm-Trakt

Vorsicht

Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Eine Anwendung wird unter anderem wegen des Einflusses der Cumarine auf die Blutgerinnung nicht empfohlen.

Kontraindikationen

  • Schwangerschaft, da die Pflanze aborbtiv wirken kann und Cumarine die Blutgerinnung beeinflussen
  • Stillzeit, da Cumarine die Blutgerinnung beeinflussen
  • bekannte Unverträglichkeit
  • UV-Empfindlichkeit
  • Leberzirrhose
  • leere Hitze
  • heißer Schleim

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.

Pflanzenstoffe

ätherisches Öl

  • v. a. o-Cymen, D-Limonen, α-Pinene, Sabinen, Terpinen-4-ol 

Phenolcarbonsäuren

  • z. B. China-, p-Cumar-, Ferula-, Kaffeesäure und ihre Derivate

Flavonoide

  • z. B. Hesperidin, Isoquercetin, Kämpferol, Quercetin

Cumarine

  • Furanocumarine wie Imperatorin, Isoimperatorin, Osthol, Ostruthol, Oxypeucedanin, Peucedanin und ihre Derivate
  • Hydroxycumarine wie Osthenol und Derivate

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • karminativ
  • antioxidativ
  • antiinflammatorisch
  • spasmolytisch
  • vasodilatativ
  • antibakteriell
  • wundheilungsfördernd
  • antikonvulsiv
  • antiallergisch

Geschichte & Mythologie

Den Menschen, die in der Antike lebten, war die Meisterwurz noch unbekannt. Ob Hildegard von Bingen sie kannte ist nicht sicher. Im 16. Jahrhundert wurde sie jedoch im Kräuterbuch von Hieronymus Bock erwähnt.

Quellen