Meerzwiebel

Wissenschaftlicher Name: Drimia maritima, veraltet:Scilla maritima oder Urginea maritima
Pharmazeutischer Name: Scillae maritimae bulbus
Synonyme: Auge des Typhon (ägyptisch), Mäuseszwiebel, Rattenzwiebel
Familie: Asparagaceae (Spargelgewächs)

Heimat & Botanik

Es wird die weiße Meerzwiebel genutzt. Sie ist giftig und kann ohne ärztliche Verschreibung erst ab einer D4 Potenz verwendet werden. 

Sie gehört zu den einkeimblättrigen Spargelgewächsen und enthält herzwirksame Gykoside. Sie gedeiht am Mittelmeer an den felsigen oder sandigen Küsten und ist mehrjährig. Sie bildet große, bis 3 kg schwere Zwiebeln aus, die leicht zu sehen sind. Aufgrund des Klimas beginnt ihre Wachstumsperiode erst im frühen Herbst ab Ende August, wo die Zwiebel zunächst die Blüten treibt. Diese stehen auf langen Stengel, die bis zu 150cm hoch werden können und bilden zusammen 40 cm lange Kerzen aus. Die Blüten blühen von unten nach oben ab und sind kleine Sechsterne. Die Blätter treiben nach der Blüte aus. Sie sind alle grundständig und können bis 50 cm lang werden. Diese Blattgeneration überdauert den Winter bis zum nächsten Sommer, wo sie abtrocknet und die Zwiebel Nährstoffe und Feuchtigkeit speichert.

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • warm
  • trocknend

Geschmack

  • scharf
  • bitter
  • leicht süß

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Nieren, Herz, Lunge

Die Meerzwiebel ist inzwischen verschreibungspflichtig. Wir führen sie trotzdem auf, weil sie noch als Fertigpräparat zu bekommen ist und Ödeme aufgrund einer Herzerkrankung mindern kann. Ansonsten sind die Indikationen eher von historischem Wert, das es viele andere ungiftige Heilpflanzen gibt, die diese behandeln.

Nässe ausleitendes Kraut

Kraut, dass das Herz-Yang behandelt

  • leitet Feuchtigkeit und Wasserfülle aus, öffnet die Wasserwege und ist stark diurethisch, Harnverhalt
  • phlegmatische Zustände wie Hydrops, Ödeme, Beinödeme, Aszites, Gicht, Zyanose
  • Ödeme durch He-Schwäche, Pleuritis exsudativa (Rippenfellentzündung), Diabetes insipitus

Schleim ausleitendes und Husten stoppendes Kraut

Kalten Schleim transformierendes Kraut 

  • schwerer Atem, chtonischer Husten und Asthma bronchale, Keuchen, Erstickungsgefühl in der Brust durch Ansammlung von Schleim-Flüssigkeiten
  • bei Schleim-Kälte, der den Shen benebelt, zäher Husten, Bronchtitis, chronische Bronchitis, schwierige Expektoration mit zähem Schleim

Qi bewegendes Kraut

bewegt Leber-Qi 

  • choleretisch, treibt Schwarzgalle aus, bei Melancholie
  • bei Leere der Gallenblase
  • Emmenagogum, Dysmenorrhoe, Amenorrhoe
  • Völlegefühl, Schmerzen unter den Rippen

Tonikum 

Qi Tonikum von He und Ni

  • Tachykarde Herzinsuffizienz, durch Altersschwäche, Palpitationen, Herzschwäche bei Klappenfehlern und postoperativ, Herzmuskelschwäche
  • Senkung des diastolischen RR, Hydrops durch Herzschwäche
  • Kurzatmigkeit,  kalte Hände, Melancholie, als Mittel zur Lebensverlängerung (Achtung: früher andere Zubereitung!!!) Niereninsuffizienz, Ödeme durch Herz-Schwäche, Neigung zu Karies

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

In Deutschland ist sind Tee, Tinktur, Pulver und Fertigpräparate bis einschließlich einer Potenz D3 verschreibungspflichtig und dürfen nur von Arzt:innen verordnet werden.

Homöopathische Dilution oder Globuli

  • Potenz D4 und höher

Die Anwendung der Meerzwiebel muss überwacht werden und sollte nur erfolgen, wenn die Therapie von einem mit der Meerzwiebel erfahrenen Therapeuten (Arzt oder Heilpraktikerin) kontrolliert wird. In der Selbstmedikation kann eine lebensbedrohliche Situation eintreten, wenn die Pflanze falsch angewendet wird.

Wir setzen Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

  • Niesreiz, gerötete Augen, äußerlich Hautreizungen
  • bei zu hohe Dosierungen: Übelkeit und Erbrechen, Verdauungsstörungen
  • Diarrhö
  • Herzrhythmusstörungen
  • Harnwegsbeschwerden mit Schmerzen und Hämaturie
  • später: Herzschmerzen, Entzündungen der Niere, schwere Koliken im Verdauungstrakt
  • letale Dosierung: Tod durch Herzlähmung

Vorsicht

Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen.

Pflanzenstoffe der Meerzwiebel, die Bufadienolide, sind giftig. Sie haben nur eine geringe therapeutische Breite. Daher ist die Anwendung der Meerzwiebel als Tee nicht zulässig! 

Kontraindikationen

  • akute Entzündungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Kaliummangel
  • Erkrankungen der Nieren
  • Schwangerschaft
  • gleichzeitige Einnahme von Digitalis Glycosiden, auch Vorsicht bei  Wassertabletten
     

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden. Insbesondere sollte auf eine gemeinsame Anwendung mit Laxantien, Glucocorticoiden, Herzglykosiden, Chinin oder Calcium verzichtet werden, da Veränderungen der Wirkung möglich sind.

Pflanzenstoffe

Bufadienolide

  • Scillirosid-, Scilliglaucosid-, Scilliphaeosid-, Scillirubrosidin-Derivate mit  Proscillaridin A, Scilliphaenosidin, 12-Epi-Scilliphaenosidin und Scilliglaucosid als Hauptkomponenten

Acrylresocinole

  • z. B. Cichoriol, Urgineol A-F

Flavonoide und Anthocyane

  • z. B. Apigenin, Luteolin, Kämpferol, Quercitin

Tannine

Sterole

  • u. a. Campesterol, β-Sitosterol, Stigmasterol

Saponine

Carotinoide

Fettsäuren und andere Pflanzensäuren

  • z. B. Butan-, Myristicin-, Palmitin-, Heptadecan-, Hexadecan-, Octadecansäure
  • Salicylsäure

Cumarine

Polysaccharide

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • diuretisch
  • antioxidativ
  • antiinflammatorisch
  • analgetisch
  • antimikrobiell
  • anthelmintisch
  • karminativ
  • antidiabetisch
  • bronchodilatativ
  • wundheilungsfördernd
  • tumorprotektiv

Quellen