Löwenzahn

Wissenschaftlicher Name: Taraxacum officinale
Pharmazeutischer Name: Taraxaci radicis cum herba, Taraxaci radix, Taraxaci herba
Synonyme: Butterblume, Echter Löwenzahl, Gebräuchliche Kuhblume, Gemeine Kuhblume, Gemeiner Löwenzahn, Löwenzahn, Wiesen-Löwenzahn, Bettseicher
Familie: Asteracea (Korbblütengewächs)

Heimat & Botanik

Alle Welt kennt ihn, den Löwenzahn. Wenn man aber anfängt, ihn zu beschreiben, merkt man schnell, dass das schwierig ist. So eindeutig er zu erkennen ist, so verschieden wächst er je nach Umgebung. 

Löwenzahn bildet eine sehr lange, rübenförmige Zentralwurzel aus, die auch im verletzten Zustand leicht wieder austreibt. Es entsteht eine Rosette, aus deren Mitte die Blütenstengel emporwachsen. Diese sind innen hohl, kahl und außen leicht filzig behaart. Am oberen Ende befinden sich kleine Hochblätter, die bald abtrocknen. Die Blüten bestehen aus vielen Zungenblüten, die konzentrisch in einem Korb flach angeordnet sind und von außen nach innen abblühen. Dafür braucht die Blüte ca. 3-4 Tage. Die Hauptblütezeit ist April bis Mai, der Löwenzahn kann aber bis in den Herbst hinein blühen. Nach der Befruchtung bildet die Pflanze kleine, tonnenförmige Samen aus, die mit einen Schirmchen (Archäne) verbunden sind und so weit durch die Luft getragen werden können. Sie lösen sich leicht vom Blütenboden und sind als Pusteblumen wohl bekannt. Interessant ist die Formveränderung von einer gelben Scheibe zu einer silbrigen Kugel. Die Blüten sind senisitv und schließen sich zur Nacht, bei Regen und Trockenheit. Blätter, Stengel und Wurzel führen einen Milchsaft. 

Soweit die Gemeinsamkeiten. Je nach Standort kann der Löwenzahn 5 cm oder auch über 1,50 Meter hoch werden. Die Blätter sind  verkehrt lanzettlich und entweder glatt gerandet oder wie meistens stark gezähnt. Je feuchter und schwerer der Boden, desto glatter ist der Rand, je trockener und karger, desto gezähnter ist das Blatt. 

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • kühl - kalt
  • trocken

Geschmack

  • bitter
  • süß

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Leber, Gallenblase, Magen, Gedärme, Niere und Blase

Die Wirkung des Löwenzahns auf den Körper war Anlass zu untersuchen, wie das Klima die Wirkung im Körper verändert. Der Löwenzahn wird als kalt eingeschätzt und in China äußerst vorsichtig dosiert und nicht lange geben. In der Europäischen Tradition und in Deutschland ist er ein beliebtes Kraut zur Entschlackung, Entwässerung und zur Reinigung und wird als solches auch über länges Zeit als Tee oder sogar als Presssaft gegeben. 

Ein kleiner Exkurs: Warmes Wetter lässt das Qi nach außen wandern, die Oberfläche ist stark, das Innere ist schwach. Wir kennen Magen- und Durchfallerkrankungen in heißen Ländern. Kaltes Wetter lässt das Qi nach innen gehen, die Oberfläche ist schwach. In kühlen Ländern leiden die Menschen leicht an Erkältung, aber das Innere ist stark und warm. In Deutschland trifft der Löwenzahn in der Regel auf einen warmen bis heißen Verdauunstrakt mit Sodbrennen, Mundgeruch, Reflux und stinkenden Stühlen, der kühle Löwenzahn ist da eine Wohltat, wohingegen er in warmen Ländern leicht Durchfall verursachen kann.

Die Liste der Indikationen ist lang. Löwenzahn behandelt vor allem hitzige Zustände wie Feuer und feuchte Hitze, er ist stark diuretisch und kann Leber-Qi bewegen. Seine lösende, entschlackende und auch auflösende Wirkung bei Gicht, Rheuma, aber auch Steinen verdankt er seinem Milchsaft, der Schlacken in Lösung bringt und ausleitet.

In China wird der Löwenzahn auch dem Dickdarm zugeordnet. Die schon oben beschriebenen Blüten und Samenstände erinnern an Sonne und Mond. Die Geschichte der Akupunkturpunkte auf dem Dickdarmmeridian erzählen die Geschichte der 10 Sonnen und 12 Monde. Das Yang Ming, Magen und Dickdarm werden mit Löwenzahn gekühlt.

Einzeln gegeben stärken die Wurzeln die Nerven. Sie sind süßer und mehr ein Tonikum (Qi-Tonikum). Das Kraut und auch die Stängel der Blüten (nach Maria Treben) haben eine stärker zerteilende und ausleitende Wirkung. In der Regel wird die Droge als Taraxaci rad. + h. abgegeben, man kann aber die Stängel oder auch das Kraut roh und als Salat empfehlen. 

Nässe eliminierendes Kraut

Kraut dass Nässe durch Leber-Qi Stagnation behandelt

  • fördert Urinausscheidung, stark diuretisch

Wind und Nässe eliminierendes Kraut

Hitze, Wind und Nässe eliminierendes Kraut

  • rheumatische Erkrankungen, Gicht, degenerative Gelenk- und Knorpelprobleme
  • erhöhte Harnsäurewerte
  • Knotenbildung, Arteriosklerose

Hitze kühlendes Kraut

Feuer ableitendes Kraut

  • verdauungsbedingte Kopfschmerzen
  • Hypertonie
  • Diabetes (Wurzel)
  • Gastritis, Ulcus
  • (Fieber), starker Durst
  • Heißhunger
  • Hämorrhoiden

Nässe trocknendendes Kraut

  • Ikterus (Gelbsucht), Hepatitis, Gallensteine, mangelnde Fettverdauung
  • Nahrungsmittelstagnation
  • Bartolinitis, Blasenentzündung, schmerzhafte Prostatitis
  • Appendizitis
  • Laryngitis, Mumps
  • Enteritis
  • Brustdrüsenentzündung
  • adjuvant bei Krebs und Brustkrebs
  • Warzen

Blut kühlendes Kraut

  • Ekzeme u. a. Hauterkrankungen, wie Schuppenflechte, als Blutreinigungstee
  • Allergien
  • Hautkrankheiten mit Juckreiz: u.a. Neurodermitis
  • Akne etc.

Toxische Hitze ausleitendendes Kraut

  • Furunkel
  • Ausleitung von Schwermetallen und Pestiziden

Hitze in der Leber behandelndes Kraut

Leber-Feuer kühlendes Kraut

  • bitterer Mundgeschmack
  • Wutausbrüche, Cholerisches Wesen
  • Augenentzündungen, rote Äderchen im Auge, Gerstenkorn, Bindehautentzündung
  • Gesichtsrötung,  lauter Tinnitus, Kopfschmerzen

Abführendes Kraut

Obstipation durch Leber-Qi Stagnation lösendes Kraut

  • leichte und stärkere Verstopfung
  • stinkender, breiiger Stuhl

Qi bewegendes Kraut

Leber-Qi bewegendes Kraut

  • Blähungen, Dyspepsie, Völlegefühle
  • bewegt Darminhalt, regt Stoffwechsel an, regt Appetit an, fördert die Verdauung, regt Magensäurebildung an, Fettsucht, Hüftspeck, Adipöse Leute
  • Zustand nach Gallen-OP, fördert und sezerniert Gallensäfte, funktionelle Oberbauchbeschwerden, Gallenstau
  • macht gut /bessere Laune, Frühjahrsdepressionen, Angespannt sein, vermittelt Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit, bei Ärger und Bitterkeit
  • PMS, Brustspannen, unregelmäßige Menstruation, Milchstau
  • Müdigkeit, entlastet und bewegt die Lymphe

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Dekokt

  • 3 - 4 g pro Tasse (1 TL = ca. 1,2 g)
  • mit kaltem Wasser ansetzen, aufkochen und 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen
  • 3 x täglich 1 Tasse
  • Tagesdosis 10 - 30 g
  • Zum Durchspülen der Harnwege zusätzlich viel trinken.

Infus

  • 4 - 10 g pro Tasse (1 TL = ca. 1,2 g)
  • 15 -20 Minuten abgedeckt ziehen lassen
  • 3 x täglich 1 Tasse
  • Tagesdosis 10 - 30 g
  • Zum Durchspülen der Harnwege zusätzlich viel trinken.

Frischpflanzentinktur

  • 1 - 3 x täglich 3 - 5 Tropfen in etwas Wasser
  • oder Dosierung nach Herstellerangaben
  • Zum Durchspülen der Harnwege zusätzlich viel trinken.

Pflanzensaft

  • 3 x täglich 15 ml in etwas Flüssigkeit
  • Zum Durchspülen der Harnwege zusätzlich viel trinken.

Flüssig- oder Trockenextrakt

  • Dosierung nach Herstellerangaben
  • Zum Durchspülen der Harnwege zusätzlich viel trinken.

Wir setzen Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

  • Kontaktdermatitis durch Kontakt mit dem Milchsaft
  • allergische Reaktionen
  • Der Gehalt an Bitterstoffen kann eine Übersäuerung des Magens und Magenschmerzen begünstigen.

Vorsicht

Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 12 Jahren. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen.

Treten unter der Behandlung Fieber, Krämpfe beim Wasserlassen, Dysurie oder Hämaturie auf oder verschlechtern sich die Beschwerden, sollten ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden.

Kontraindikationen

  • bekannte Überempfindlichkeit (Allergie gegen Korbblütler)
  • gastrointestinale Ulzerationen
  • Blockade der Gallengänge, Gallensteine, Cholangitis oder andere Erkrankungen der Gallenblase bzw. Gallengänge
  • Einschränkungen der Nierenfunktionen wegen der Gefahr einer Hyperkaliämie

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.

Pflanzenstoffe

Sesquiterpenlactone

  • Eudesmanolide wie Tetrahydroridentin B und Taraxacolidderivate
  • Germacranolide wie Taraxinsäurederivate
  • Guaianolide wie Dihydrolacticin- und Ixacin-Derivate

Triterpene

  • Taraxasterolderivate, Taraxerol
  • ß-Amyrin, Arnidiol, Faradiol, Lupeol

Sterole

  • Cycloartenol, Sitosterol, Sigmasterol

Carotinoide

  • Xanthophylle

Phenole

  • z. B. Taraxacosid

Flavonoide

  • z. B. Apigenin, Luteolin, Quercetin

Phenolcarbonsäuren

  • z. B. Chlorogen-, Cichorien-, p-Cumar-, Ferula-, Hydroxybenzoe-, Hydroxyzimt-, Kaffee-, Protcatechusäure

Phenylpropanoide

  • Dihydroconiferin, Dihydrosyringin, Syringin als Glykoside gebunden

Cumarine

  • z. B. Aesculetin, Cichoriin, Scopoletin, Umbelliferon

Alkaloide

  • Isobornylthiocyanat

Polysaccharide

  • im Frühjar Schleimstoffe mit hohem Anteil an Fructose
  • im Herbst Inulin

Mineralstoffe und Spurenelemente

  • Kalium

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • choleretisch
  • lipidsenkend
  • antidiabetisch
  • karminativ
  • laxativ
  • spasmolytisch
  • appetitanregend
  • antiadipös
  • hepato- und pankreasprotektiv
  • nephroprotektiv
  • diuretisch
  • antimikrobiell
  • antioxidativ
  • antiinflammatorisch
  • immunmodulierend
  • kardio- und vasoprotektiv
  • antihypertensiv
  • neuroprotektiv
  • tumorprotektiv

Geschichte & Mythologie

Quellen