Katzenbart

Wissenschaftlicher Name: Orthosyphon stamineus/ Orthosiphon aristatus (syn.)
Pharmazeutischer Name: Orthosyphonis herba
Synonyme: Katzenbart, Orthosiphon, indischer Blasen und Nierentee, Javatee: aus tropischem Asien
Familie: Lamiaceae (Lippenblütler), Unterfamilie Nepetoideae

  • Heimat & Botanik
  • Eigenschaften & Geschmack
  • Wirkungen & Indikationen in der TCM
  • Anwendung
  • Pflanzenstoffe
  • Pharmakologie
  • Geschichte & Mythologie

Heimat & Botanik

Der Katzenbart hat verschiedene Namen: Orthosiphon, Javatee oder auch indischer Blasen-und Nierentee, womit auch gleich die Therapierichtung erwähnt wird. Er ist ein Lippenblütler und verwandt mit Basilikum, Lavendel und Rosmarin. Seine Herkunftsländer sind in Südostasien, er mag es warm. In unseren Breiten wird er nur in Botanischen Gärten gezeigt. Der Name Katzenbart weist auf die auffälligen Staubgefäße hin, die horizontal wie Schnurrhaare nach außen zeigen. Die Blüten sind in ährigen Quirlen angeordnet, die am Ende der Zweige wachsen. Ansonsten folgt die Pflanze dem klassischen Aufbau der Lippenblütler: ein vierkantiger Stengel mit kreuzgegeständlichen Blättern, die dunkelgrün und gezähnt sind,  wächst relativ gerade in die Höhe. Je älter der Strauch wird, desto buschiger sieht er aus. 

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • neutral

Geschmack

  • leicht salzig
  • aromatisch
  • leicht bitter
  • adstringierend

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Nieren, Leber, Lunge, Milz

Der Indische Blasen-und Nierentee wurde Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in unserer Pharmakologie aufgenommen, weil er eine spezifische Wirkung auf die Niere, die Blase und das Entwässern hat. Er kann als Botenkraut zur Niere gelten.

Nässe ausleitendes Kraut

Kraut, dass das Nieren-Yang behandelt

  • Ödeme, stark harntreibend
  • leitet auch Elektrolyte aus: Na+, K+, Cl+ (wie Furosemid!)
  • treibt Kochsalz, Harnstoff und Harnsäure aus (auch nach Radiojodtherapie oder Jodunverträglichkeit)

Wind und Nässe eliminierendes Kraut

  • Rheuma, Gicht

Hitze kühlendes Kraut

Nässe trocknendes Kraut

  • Harnwegsinfekte, Hämaturie, Albuminurie
  • bakteriostatisch ( Rosmarinsäure und Kaffeesäure)
  • Blasenentzündung nach Geschlechtsverkehr oder Katheterisierung
  • Harnsteine, Harngries, Gallensteine
  • Prostatitis

Leere Hitze behandelndes Kraut

  • Nierenschrumpfung, Nephrose, beginnendes Nierenversagen
  • Hämaturie, Albuminurie

Qi bewegendes Kraut

Leber -Qi bewegendes Kraut

  • leicht spasmolytisch
  • sensible Personen, denen Umstände schnell an die Nieren gehen
  • leicht krampflösend (Blase)
  • treibt Galle

Adstringierendes Kraut

Ni-Qi festigendes Kraut

  • regeneriert das Nierenparenchym, beginnendes Nierenversagen
  • Hämaturie

Bote 

  • zur Niere und zur Blase

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Infus

  • 2 - 3 g pro Tasse (1 TL = ca. 1 g)
  • 5- 20 Minuten abgedeckt ziehen lassen
  • 3 x täglich 1 Tasse
  • Tagesdosis: 6 - 12 g
  • Zum Durchspülen der Harnwege zusätzlich viel trinken.

Pulver

  • Einzeldosis 500 - 750 mg
  • Tagesdosis: 1.000 - 1.500 mg
  • Zum Durchspülen der Harnwege zusätzlich viel trinken.

Flüssig- und Trockenextrakt

  • Dosierung nach Herstellerangaben
  • Zum Durchspülen der Harnwege zusätzlich viel trinken.

Wir setzen Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

Nicht bekannt.

Vorsicht

Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen.

Treten unter der Behandlung Fieber, Krämpfe beim Wasserlassen, Dysurie oder Hämaturie auf oder verschlechtern sich die Beschwerden, sollten ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden.

Kontraindikationen

  • bekannte Überempfindlichkeit
  • Erkrankungen, die eine verminderte Flüssigkeitsaufnahme erfordern wie Herz- oder Niereninsuffizienz

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.

Pflanzenstoffe

Phenolcarbonsäuren

  • u. a. Kaffee-, Rosmarinsäurederivate wie Ferula-, Protocatechu-, Salvianol-, Vanillinsäure

Flavonoide

  • Flavone wie Baicalein, Eupatorin, Rhamnazin, Salvigenin, Scutellarin, Sinensetin
  • Flavonole wie Eupatoretin, Isoquercitrin, Quercetin
  • Flavanone wie Naringenin

ätherisches Öl

  • darunter Camphen, β-Caryophyllene, α-Humulen, β-Elemen, Limonen, Phenylacetaldehyd, β-Pinen u. v. a.

Triterpene

  • u. a. α- und β--Amyrin, Betulin-, Hydroxybetulin-, Maslin-, Oleanol-, Tormentin-, Ursolsäure

Diterpene 

  • u. a. Neoorthosiphol A, Neoorthosiphonon, Nororthosiphonolid A, Norstaminolactone, Norstaminon A, Orthosiphole A, B, D, E, K, L, M, N, O, P und Q, Orthosiphonon A, Seco-Orthosiphole, Siphonole A - E

Mineralstoffe und Spurenelemente

  • Kalium

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • diuretisch
  • antioxidativ
  • antibakteriell
  • hepatoprotektiv
  • antiinflammatorisch
  • zytotoxisch
  • antihypertensiv
  • vasodilatativ
  • lipidsenkend
  • antidiabetisch

Geschichte & Mythologie

Quellen