Echte Goldrute

Wissenschaftlicher Name: Solidago virgaurea
Pharmazeutischer Name: Solidaginis herba
Synonyme: Heftkraut, goldenes Wundkraut, Heydnisch Wundkraut
Familie: Asteracea (Korbblütengewächs)

Heimat & Botanik

Die echte oder gemeine Goldrute ist im Gegensatz zu ihrer eingewanderten Schwester, der kannadischen Goldrute, eine relativ unscheinbare Pflanzen, die sich auch leicht mit ähnlich gelbblühenden verwechseln lässt. Sie liebt Waldränder, Wiesen und Laubwälder, deren Boden eher mager und trocken und nicht zu nährstoffreich ist. Sie wächst einzeln, wird bis zu einem Meter, meistens aber nur 40 cm hoch,  ist großteils unverzweigt und hat gelbe Körbchen, welche sie als Korbblütler ausweist. Die Körbchen sind mit Röhrenblüten gefüllt und außen sitzen sechs bis zwölf Zungenblüten am Rand. Diese sind deutlich länger als die Körbchen groß sind. Ein Körbchen wird so im Durchmesser ca 10-15mm groß. Sie blüht ab Juli bis in den Herbst. Die Blätter der echten Goldrute sind wechselständig und die Samen werden als Pappus durch die Luft getragen. Die echte Goldrute ist mehrjährig.

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • Kühl
  • trocken

Geschmack

  • bitter
  • sauer-adstringierend

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Nieren, Blase, Haut

Bei Susanne Fischer Rizzi kann man nachlesen, dass die Goldrute 4 Vorteile hat: Sie behandelt  Ödeme durch Herz- Nieren- oder Lebererkrankungen und entzündliche oder chronische Erkrankungen der Niere/ Blase. Sie hilft bei Stoffwechselerkrankungen wie Gicht, Rheuma, Hautkrankheiten und leitet Schlacken während einer Reinigungs- oder Abmagerungskur aus.

Sie behandelt also den Unteren Erwärmer mit Blase, Niere, Bauchraum und und ihre zusammenziehende und absenkende Wirkung erstreckt sich auf die Haut, die Entwässerung der Gewebe und auf Verletzungen bzw. Blutungsneigungen. Die echte Goldrute ist eine Pflanze, die als Bote zur Niere gelten kann, denn sie behandelt viele Symptome der Niere und auch ihre chinesischen Funktionen, wie zum Beispiel das Einatmen. Die Goldrute kann den Aspekt der Niere, das Lungen-Qi zu empfangen, behandeln und ist in einem Tee gegen Atemnot aufgrund von Nieren-Qi Mangel sinnvoll, insbesondere, wenn auch Ödeme oder Wassereinlagerungen vorhanden sind.

 

Nässe eliminierendes Kraut

Das das Blasen-Qi behandelt

  • fördert die Diurese, aquaretisch, Ödeme, Wassersucht, Wassereinlagerungen
  • bei Schwangeren im letzten Trimenon (antiödematös: gleich stark wie Rosskastanie)
  • geschwollene Augendeckel, Hypertonie 

Wind und Nässe eliminierendes Kraut

Hitze, Wind und Nässe eliminierendes Kraut (Bi-Syndrom)

  • Gicht, Rheuma, Arthritis 

Schleim ausleitendes und Husten stoppendes Kraut

heißen Schleim zerteilendes Kraut

  • als Gurgelmittel bei Halsentzündungen
  • Rhinitis, verstopfte Nebenhöhlen, aber auch chronisch wässriges Sekret 

Hitze kühlendes Kraut

Nässe trocknendes Kraut (Feuchte Hitze)

  • leitet Feuchte-Hitze (aus dem UE) aus
  • Harnsteine, Nierengries, entzündliche Erkrankungen von Niere, Blase und Harnleiter, Neigung zu Blasenentzündungen
  • Candida und Hautpilze
  • Analekzem, Scheidenpilze
  • Prostatahypertrophie, häufiger Harndrang
  • schleimige Durchfälle (Mb Crohn) 

Blut kühlendes Kraut

  • Entzündungen der Haut und Mundschleimhaut
  • Ekzeme, Hauterkrankungen
  • schützt bei Strahlentherapie!! auch Lasertherapie, heilt Schäden, eitrige Wunden 

Blutungen stoppendes Kraut

  • innere Wunden, zieht Wunden und Wundränder zusammen
  • venöse Schwäche
  • schlecht heilende Wunden 

Adstringierendes Kraut 

Jing aufrauendes Kraut

  • Leukorhoe
  • Spermatorrhoe 

Nieren-Qi festigendes Kraut

  • nährt, heilt und baut Nierengewebe wieder auf
  • fördert die Funktion der Nieren, reizt aber nicht das Nierenparenchym!!
  • chronische Nierenerkrankungen, Proteinurie, Nierenschrumpfung, Nephrose, beginnendes Nierenversagen
  • fehlende oder verminderte Harnabsonderung, mindert Völlegefühle der Harnblase
  • stimuliert die Nebennieren, regt ACTH-Sekretion an (krebsfeindlich)
  • Reizblase, reduziert unfreiwilligen Harnabgang, Enuresis
  • kalte Füße
  • aktiviert emotionale Ausdauer, Ängste, Stress, der an die Nieren geht
  • verringert Allergiebereitschaft 

Die Haut behandelndes Kraut

  • schlecht heilende Wunden
  • bei den alten Germanen als bestes Wundkraut bekannt, zieht Wunden und Wundränder zusammen

Bote zur Niere

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Infus

  • 3 - 5 g pro Tasse (1 TL = ca. 2 g)
  • abgedeckt 10 Minuten ziehen lassen
  • 2 - 4 x täglich 1 Tasse
  • Zum Durchspülen der Harnwege zusätzlich reichlich trinken
  • Tagesdosis 6 - 12 g

Frischpflanzentinktur

  • 1 - 3 x täglich 3 - 5 Tropfen in etwas Wasser
  • oder Dosierung nach Herstellerangaben
  • Zum Durchspülen der Harnwege zusätzlich reichlich trinken

Trockenextrakt

  • 3 x täglich 350 - 450 mg
  • oder Dosierung nach Herstellerangaben
  • Zum Durchspülen der Harnwege zusätzlich reichlich trinken

Wir setzen Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

  • Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Magenbeschwerden

Vorsicht

Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 12 Jahren. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen.

Treten unter der Behandlung Fieber, Krämpfe beim Wasserlassen, Dysurie oder Hämaturie auf oder verschlechtern sich die Beschwerden, sollten ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden.

Kontraindikationen

  • bekannte Überempfindlichkeit
  • Ödeme in Folge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Die gemeinsame Anwendung mit diuretisch wirkenden Arzneistoffen sollte vermieden werden. Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.

Pflanzenstoffe

Flavonoide 1,5 % 

  • u. a. Isorhamnetin, Kaempferol, Quercetin, Rhamnetin, Rutosid und Derivate

Triterpensaponine 

  • Derivate der Polygalasäure (Virgaureasaponine B, C, D, E darunter Bis-, Mono- und Tridesmoside)
  • Solidagosaponine X-XXIX

Phenolcarbonsäuren

  • u.a. Hydroxybenzooe- und Kaffeesäurederivate darunter Chlorogen-, pCumar-, Dattel-, Ferula-, Gallus- und Neochlorogen-, Rosmarin-, Vanillinsäure, Salicylsäure

Ätherisches Öl

  • Mono- und Sesquiterpene darunter γ-Cadinen als Hauptkomponente sowie β-Caryophyllen, α-Humulen, Limonen, Myrcen, α-Pinen, β-Pinen, Sabinen 

Diterpene

  • vom Clerodan-Typ (Solidagolactone I-VIII)

Phenolglykoside

  • Leiocarposid, Virgaureosid

Gerbstoffe

  • Catechingerbstoffe

Polysaccharide

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Zudem hat die aus Amerika stammende Solidago gigantea eine andere Zusammensetzung. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • antiinflammatorisch
  • antioxidatisch
  • analgetisch
  • antihypertensiv
  • kardioprotektiv
  • diuretisch
  • spasmolytisch
  • antimikrobiell
  • antidiabetisch
  • antiadipös
  • anti aging Effekt
  • tumorprotektiv

Geschichte & Mythologie

Quellen