Galgant

Wissenschaftlicher Name: Alpinia officinarum
Pharmazeutischer Name: Galangae rhizoma
Synonyme: Gewürzlilie, Siam-Galgant, Thai-Ingwer
Familie: Zingiberaceae (Ingwergewächse)

Heimat & Botanik

Der in Südostasien angebaute Galgant bildet ein schlankes, zylinderförmiges Rhizom, aus dem seine zwanzig bis dreißig Zentimeter langen Laubblätter austreiben. Die Pflanze wird bis zu eineinhalb Meter hoch.

Zwischen April und September bildet sich ein traubenförmiger Blütenstand. Die Einzelblüten haben weiße zu einer Röhre verwachsene Kronblätter mit rötlichen Linien. Während die Kelchblätter ungefähr eineinhalb Zentimeter lang sind, sind die Kronblätter bis zu zehn Zentimeter lang. Zwischen Mai und November reifen rote Kapselfrüchte.

Der Name "Galgant" hat mit "khalanjan" einen arabischen oder mit "galangal" einen indischen Ursprung.

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • heiß

Geschmack

  • scharf, brennend, würzig-aromatisch

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Leber, Gallenblase, Herz, Milz, Magen, Lunge

Oberfläche öffnendes Kraut

Wind-Kälte eliminierendes Kraut

  • Infekt mit Kopfschmerzen, Bronchitis, kalte Extremitäten, Virusinfektionen

Das Innere erwärmendes Kraut

Das Innere erwärmendes, Oberfläche öffnendes und Kälte eliminierendes Kraut

  • Kopfschmerzen, Bronchitis, kalte Extremitäten

Aromatisch, Nässe aus der Mitte eliminierendes kraut

Erwärmt Milz und Magen, zerstreut Kälte und aktiviert die Yun Hua Funktion 

  • Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Magen-Darm-Krämpfe, Diarrhoe, Dyspepsie, Blähungen, Anregung der Magensekretion, Müdigkeit nach dem Essen, Völlegefühl

Nässe ausleitendes Kraut

Kraut, das Herz-Yang behandelt

  • Kalte Extremitäten, Kreislaufschwäche, funktionelle pektanginöse Beschwerden, Belastungsdyspnoe, Blutdruckregulierend, Gesichtsblässe, kalte Extremitäten

Schleim außerhalb der Lunge behandelndes Kraut

Kraut, das die Herzöffnungen von Schleim befreit

  • Palpitationen, Kurzatmigkeit, Unruhe, Druckgefühl im Brustkorb, Depressionen, Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Schweregefühl, blasser Teint, kalte Hände, Spannungen im Oberbauch

Qi bewegendes Kraut

Leber-Qi bewegendes Kraut

  • Roemheld-Syndrom, krampfartige Oberbauchbeschwerden, Antriebslosigkeit, Störung des Gallenfluss, kalte Extremitäten, Myalgien, Kopfschmerzen

Mitte regulierendes Kraut
Scharfes, Mitte regulierendes Kraut

  • Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Magen-Darm-Krämpfe, Diarrhoe, Dyspepsie, Blähungen, Anregung der Magensekretion, Müdigkeit nach dem Essen, Völlegefühl 

Tonikum

Yang-Tonikum

  • Tonisiert Herz-Yang: Kreislaufschwäche, Hypotonie, funktionelle pektanginöse Beschwerden, Belastungsdyspnoe, Blutdruckregulierend, Gesichtsblässe, kalte Extremitäten

Shen aktivierendes Kraut 

stimmungsaufhellend, anregend, euphorisierend

  • Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisschwäche

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Dekokt

  • 0,5 - 1 g pro Tasse aufkochen (1 TL = ca. 2 g)
  • 5 - 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen
  • 3 x täglich 1 Tasse 1 Stunde vor dem Essen
  • Tagesdosis 1-4 g

Pulver

  • Dosierung nach Herstellerangaben

Kautabletten und andere Fertigarzneimittel

  • Dosierung nach Herstellerangaben

Wir setzten Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Hinweis

Wegen seines Gehalts an ätherischen Ölen sollte man Galgant nicht in einem Kunststoffbehälter lagern sowie kühl und dunkel aufbewahren.

Nebenwirkungen

  • Blutdrucksenkung

Vorsicht

Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen.

Kontraindikationen

  • Ulcus ventriculi et duodeni
  • Yinmangel mit leerer Hitze
  • Magen-Feuer

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.

Pflanzenstoffe

Ätherisches Öl

  • Monoterpene wie Borneol, 1,8 Cineol, Eucalyptol, Limonen, Myrcen, Phellandren, α- und ß-Pinen, Sabinen, Terpinen-4-ol
  • Sesquiterpene wie ß-Caryophyllen und Germacren
  • Aldehyde wie Cumarylaldehyd
  • Ester wie Essigzimtsäureester, Eugenylacetat, Hydroxychavicolacetat, Zimsäuremethylester

Flavonoide

  • z. B. Acacetin, Apigenin, Chrysin, Galangin-Derivate, Isorhamnetin, Kämpferol, Quercetin, Tectochrysin

Phenylpropanderivate

  • Chavicol, Coniferylalkohol-, Cumarylalkohol-Derivate, Eugenol, p-Hydroxyphenylpropenol, p-Hydroxyphenylpropenmethylester u. a.

Phenylalkylketone 

  • z. B. Gingerole

Diarylheptanoide

  • Galangole

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • appetitanregend
  • karminativ
  • spasmolytisch
  • analgetisch
  • antioxidativ
  • immunomodulierend
  • gastroprotektiv
  • lipidsenkend
  • antidiabetisch
  • gerinnungshemmend
  • gedächtnisstärkend
  • antimikrobiell
  • tumorprotektiv

Geschichte & Mythologie

Galgant ist seit zweitausend Jahren Bestandteil der chinesischen Phytotherapie. Er gelangte im Mittelalter nach Europa. So setzte ihn Hildegard von Bingen zur Behandlung von Erkrankungen des Herzens ein, insbesondere zu dessen besseren Durchblutung.

Quellen