Damiana

Wissenschaftlicher Name: Turnera diffusa
Pharmazeutischer Name: Damianae folium
Synonyme: Asthma-Besen, Lateinamerika auch Chac-Mixib, Misibcoc
Familie: Passifloraceae (Passionsblumengewächse)

Heimat & Botanik

Die in Südamerika beheimatete Damaina ist ein bis zu zwei Meter hoher Strauch, der stark verzweigt und an allen Pflanzenteilen behaart ist. An seinen Ästen setzen die ein bis drei Zentimeter langen, unterschiedlich geformten Laubblätter wechselständig mit ihren kurzen Stielen an. Sie haben eine keilförmige Basis und sind mal eiförmig oder umgekehrt eiförmig, mal lanzettenförmig, mal spitz, mal stumpf oder auch abgerundet. Ihr Rand ist gesägt.

Die solitär stehenden Blüten bilden sich über den gesamten Sommer in den Achseln der Tragblätter auf einem sehr kurzen Stiel. Sie sind fünfzählig und haben eine doppelte Blütenhülle. Ihre Kronblätter leuchten gelb, sind acht bis zwölf Millimeter lang und umzingeln fünf kurze Staubblätter. Nach der Befruchtung reift eine kleine, runde Kapselfrücht, die mehrere Samen enthält.

Die Pflanze ist nach dem heiligen Damian benannt, der botanische Name "Turnera" erinnert an den Botaniker und Naturforscher William Turner, der im 16. Jahrhundert lebte. Der Zusatz "diffusa" kann mit "verzweigt" übersetzt werden und bezieht sich auf das Erscheinungsbild des Strauchs.

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • warm

Geschmack

  • scharf, aromatisch-bitter, leicht adstringierend

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Herz, Milz, Magen, Nieren, Uterus

Das Innere erwärmendes Kraut

Qi bewegendes und das Innere wärmendes Kraut

  • aktiviert Nieren-Yang/-Qi, aphrodisierend: Orgasmus-Störungen, Impotenz, Ejaculatio praecox, Rückenschmerzen LWS, Prostataleiden
  • aktiviert Qi und Yang des Herzens: Depression, Gedächtnisstörungen, Erschöpfung, Durchblutungsstörungen in der Peripherie
  • aktiviert Qi von Milz und Magen: Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Dyspepsie, atonische Obstipation, Krämpfe, Übelkeit, Dyspepsie, erhöhter Blutzucker

Nässe ausleitendes Kraut

Kraut, das das Nieren-Yang behandelt

  • Prostatahypertrophie, Orgasmus-Störungen, Rückenschmerzen in der LWS

Kraut, das das Herz-Yang behandelt

  • Depression, Gedächtnisstörungen, Vergesslichkeit, Hypotonie, Durchblutungsstörungen in der Peripherie, blasses Gesicht, Erschöpfung, Kreislaufschwäche

Adstringierendes Kraut 

Nieren-Qi festigendes Kraut bei Polyurie und Enuresis

  • Orgasmus-Störungen, Impotenz, aphrodisierend, Ejaculatio praecox, Rückenschmerzen in der LWS, Prostataleiden

Shen aktivierendes Kraut

  • Ängstlichkeit, nervöse Erschöpfung

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Infus

  • 2 g pro Tasse
  • abgedeckt 10 Minuten ziehen lassen
  • 3 x täglich 1 Tasse

Extrakte

  • Dosierung nach Herstellerangaben
  • Die Wirkung setzt erst nach ca. 2 Wochen ein.

Wir setzten Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

Die Datenlage zu dieser Arzneipflanze ist noch dünn. Bei Überdosierung wurden Übelkeit und eine Reizung der Harnwege beobachtet. Sollten unter der Anwendung von Damianablättern Beschwerden auftreten sollten die Betroffenen die Behandlung unterbrechen und sich an die Verordnerin bzw. ihren Behandler wenden.

Vorsicht

Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Von einer Anwendung wird abgeraten.

Kontraindikationen

  • Erkrankungen der Leber
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
  • Einnahme von Monoaminoxidasehemmern
  • Einnahme von dopaminerg oder antidopaminerg wirksamen Arzneistoffen
  • Yin-Leere mit leerer Hitze

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Damiana sollte nicht mit Arzneistoffen kombiniert werden, die die Monoaminoxidase hemmen oder den Dopaminspiegel beeinflussen. Sie kann weiterhin die Aktivität von Enzymen (CYP), die am Abbau von Arzneistoffen beteiligt sind, verändern und somit die Bioverfügbarkeit von Medikamenten. Aufgrund ihrer gerinnungshemmenden Wirkung sind zudem synergistische Effekte mit Gerinnungshemmern nicht ausgeschlossen. Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden. 

Pflanzenstoffe

Die Pflanzenstoffe von Turnera diffusa sind noch nicht so intensiv erforscht worden. Diskutiert werden unter anderem folgende Pflanzenstoffe:

Flavonoide

  • u. a. Apigenin, Acacetin, Genkwanin, Naringenin, Quercetin Rutinoside, Velutin

Ätherisches Öl

u. a. δ-Cadinen, Calamen, α-Copaen, α-Pinen, β-Pinen, Thymol

Cyanogene Glykoside

  • Triterpene

Hydrochinone

  • u. a. Arbutin

Gerbstoffe

  • Tannine

Sterole

  • β-Sitosterol

Fettsäuren

Koffein

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • antioxidativ
  • antiinflammatorisch
  • analgetisch
  • muskelrelaxierend
  • immunmodulierend
  • antidepressiv
  • aphrodisierend
  • neuroprotektiv
  • antidiabetisch
  • antiadipös
  • gerinnungshemmend
  • antimikrobiell

Geschichte & Mythologie

Die Pflanze wurde bereits von den Mayas medizinisch als auch für Zeremonien genutzt. Ihr Name lautete in der Sprache der Maya "mizib-coc", was als "Asthmabesen" übersetzt wird. Dies bezieht sich auf die traditionelle Anwendung bei Erkrankungen der Atemwege. 

Quellen