Cayennepfeffer | Chili

Wissenschaftlicher Name: Capsicum annuum, Capsicum frutescens
Pharmazeutischer Name: Capsici fructus
Synonyme: Capsicum, Spanischer Pfeffer
Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)

Heimat & Botanik

Der in den Tropen beheimatete Cayennepfeffer wächst an mehrjährigen Sträuchern, die mitunter zwei Meter hoch werden. Der Strauch hat spitze, ovale bis lanzettförmige Laubblätter, Die Blüten bilden sich an den Abzweigungen der Sprossachse und stehen meist in Gruppen zusammen. Sie haben einen röhrenförmigen, gezähnten Kelch und weiße bis grüne, gebogene  Kronblätter in deren Mitte sich die meist blauen bis violetten, gelegentlich auch gelben Staubbeutel befinden. 

Die schmalen, roten, glänzenden Früchte laufen spitz zu. Es handelt sich um Beeren mit hohlen Kammern und falschen Scheidewänden, an denen die kleinen, weißen Samen hängen. Ihrem brennend-scharfen Geschmack verdanken sie die Bezeichnung "Pfeffer". Da die Frucht einer Kapsel ähnelt, entwickelte sich der botanische Name Capsicum. 

Eigenschaften & Geschmack

Eigenschaften

  • heiß

Geschmack

  • brennend-scharf

Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.

Wirkungen & Indikationen in der chinesischen Medizin

Tropismus: Herz, Milz, Magen, Darm, Lunge, Niere

Das Innere erwärmende Kraut

Das Innere wärmende, Oberfläche öffnendes und Kälte eliminierendes Kraut

  • Durchwärmend, vertreibt Kälte bei Infekten

Qi bewegendes und das Innere wärmendes Kraut

  • fördert die Freisetzung von Endorphinen und die Durchblutung: Durchblutungsstörung, Verspannungen und Schmerzen
  • Stoffwechsel aktivierend bei Adipositas, Potenzschwäche

Wind und Nässe eliminierendes Kraut (Bi-Syndrome)

Kälte, Wind und Nässe eliminierendes Kraut

  • Neuralgien, Trigeminusneuralgie, analgetisch und juckreizlindernd, Rheuma, Frozen Shoulder, Rückenschmerzen LWS

Qi bewegendes Kraut 

Herz-Qi bewegendes Kraut

  • Palpitationen, Spannungsgefühl in der Brust, Depression, Niedergeschlagenheit, blasses Gesicht

Mitte regulierendes Kraut
Scharfes, Mitte regulierendes Kraut

  • Krampflösend im Magen-Darm-Trakt bei Krämpfen und Schmerzen durch Kälte
  • Freisetzung von Magensäure anregend
  • Verdauungsfördernd
  • Stoffwechsel anregend
  • Blutzuckerspiegel senkend

Blut bewegendes und Stase lösendes Kraut 

  • Kreislaufschwäche, periphere Durchblutungsstörung, verbessert die Viskosität, erweitert die Blutgefäße Blutdruckregulierend

Aromatisches Kraut, das die Sinne öffnet und Leitbahnen befreit

hebt das klare Yang, aktiviert und klärt die Sinne

Äußerliche Anwendung von Kräutern 

  • Qi und Blut bewegend be Rückenschmerzen LWS, Arthrose, Arthritis, Postzoster Neuralgie, Frozen Shoulder
    erst Schmerz und Erwärmung, dann Schmerzlinderung

Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.

Anwendung

Innerlich

Die innerliche Anwendung wurde von der Kommission E abgelehnt.

  • Tinktur: 1-3 Tr. 3x tägl.
  • 1 Msp. /250ml Wasser in Wasser oder Tee, schluckweise über Tag verteilt trinken
  • Infus: 1 Msp. /250ml 5 min ziehen lassen, schluckweise über Tag verteilt trinken

Äußerlich

  • als Dickextrakt in Cremes
  • als Tinktur in Pflastern oder Salben
  • Dosierung nach Herstellerangaben

Wir setzten Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt. 

Nebenwirkungen

  • Brennen, Wärme und Rötung der Haut als Zeichen der Wirkung

Die Anwendung von Capsicum als Pflaster oder Auflage kann zu Desensibilisierung und Wirkungsverlust sowie einer lebensgefährlichen Hypothermie durch Irritation der Thermorezeptoren führen, deshalb sollen Pflaster oder Okklusivverbände maximal 2 Tage an einer Stelle verweilen, der Applikationsort darf anschließend 14 Tage nicht wieder behandelt werden.

Vorsicht

Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen.

Ein Kontakt mit dem Auge sollte unbedingt vermieden werden! Im Anschluss an die Anwendung von Cayennepfeffer-Zubereitungen sollte man aus diesem Grund die Hände gründlich mit Seife waschen werden sowie beim Auftragen der Creme oder Salbe Handschuhe tragen.

Kontraindikationen

  • Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren
  • Anwendung auf geschädigter Haut ider auf den Schleimhäuten
  • Anwendung am Auge
  • Kombination mit anderen äußerlich angewendeten Arzneistoffen
  • Fülle-Hitze

Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneistoffen

Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.

Pflanzenstoffe

Capsaicinoide

  • Capsaicin-Derivate wie Capsaicin, Capsiate, Capsiconiate, Dihydrocapsaicin, Dihydrocapsiate, Dihydrocapsiconiate, Nordihydrocapsaicin, Nordihydrocapsiate und Piperin, die zur Gruppe der Säureamide gehören

Phenolcarbonsäuren

  • z. B. Ferulasäurederivate

Flavonoide

  • z. B. Luteolin-, Quercetin- und Rutin-Derivate

n-Hexanderivate

Steroidsaponine

  • Capsicoide

Carotinoide

  • ß-Caroten

Proteine

Polysaccharide

Fette und Fettsäuren

  • wie Öl- und Stearinsäure sowie deren Ester

Vitamin C

Mineralstoffe und Spurenelemente

  • Calcium, Eisen, Kalium, Kupfer, Magnesium, Natrium, Zink

Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.

Mögliche pharmakologische Wirkungen

  • antimikrobiell
  • antioxidativ
  • antiinflammatorisch
  • analgetisch
  • gerinnungshemmend
  • durchblutungsfördernd
  • lipidsenkend
  • antiadipös
  • immunsuppressiv
  • gastroprotektiv
  • neuroprotektiv
  • tumorprotektiv

Geschichte & Mythologie

Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wuchs Cayennepfeffer vornehmlich in Süd- und Mittelamerika, wo die Ureinwohner ihn bereits seit ca. 8.000 Jahren anbauen. Die Seefahrer sorgten für seine Verbreitung in der Welt.

Quellen

Die von uns bei der Erstellung der Inhalte für diese Webseite verwendeten Fachbücher sind im Literaturverzeichnis einsehbar. Darüber hinaus basieren die Inhalte zu dieser Pflanze auf folgenden Quellen:

> Batiha GE, Alqahtani A, Ojo OA et al. Biological Properties, Bioactive Constituents, and Pharmacokinetics of Some Capsicum spp. and Capsaicinoids. Int J Mol Sci. 2020 Jul 22;21(15):5179. 
> HPMC Monographie der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA)