Wissenschaftlicher Name: Herniaria glabra
Pharmazeutischer Name: Herniariae glbrae herba
Synonyme: Harnkraut, Jungfernkraut, Tausendkorn, Christenschweiß, Dürrkraut, Glattes Tausendkraut, Kuckucksseife, Nierenkraut, Passionsblümchen
Familie: Caryophyllacea (Nelkengewächs)
Das kahle Bruchkraut ist sicher eine Pflanze, die man schon oft gesehen, aber noch nie wahrgenommen hat. Es ist unscheinbar, bevorzugt sandigen Boden und bewächst gerne Wege und Wegränder, auf denen wir laufen. Es gehört zu den Nelkengewächsen und hat dementsprechend relativ viele Saponine.
Das Bruchkraut wird als kahl bezeichnet, weil die Blätter und Stengel kahl sind, also kaum Behaarung aufweisen. Die ganze Pflanze ist sehr klein und wird in der Regel 5 - 15 cm lang. Die zwittrigen Blüten sind noch kleiner, ca 1mm groß, und tragen 5 weiße oder keine Kronblätter. Die 5 Kelchblätter sind größer als die Kronblätter. Sie blühen von Juni bis Oktober. Die Bestäubung findet über kleinste Insekten oder Wind statt. Die Samen sind linsenförmig, rau, schwarz glänzend und können vom Regen, mit Schuhen oder auch fliegend fortgetragen werden.
Bei einer späten Keimung ist die Pflanze zweijährig und überdauert den Winter als kleine Rosette. Ansonsten ist das Bruchkraut einjährig, kann allerdings auch mehrjährig sein.
Getrocknet kann ein weiterer Wirkstoff erkannt werden, denn die ganze Pflanze duftet nach Cumarin wie auch der Waldmeister.
Die Wirkung des Geschmacks wird in den Theoretischen Grundlagen erläutert.
Tropismus: Nieren, Blase, Leber
Das kahle Bruchkraut ist eine wunderbare Entdeckung für Menschen mit Steinleiden. Wenn es zu einer Kolik kommt, das heißt, wenn der Stein die Größe der Nierentubuli oder der Gallengänge erreicht hat, können sie dort stecken bleiben. Der Körper versucht dann mit krampfartigen Bewegungen diese weiter und hindurch zu befördern. Wenn diese Bewegungen sehr stark werden, entsteht eine Kolik. Das Bruchkraut kann dann sehr hilfreich sein, da es die Muskulatur entspannt, so Schmerzen lindert und der Stein weiterwandern kann.
Gleichzeitig behandelt das Bruchkraut chronische und akute Blasenentzündungen, es ist antiseptisch und entspannt auch hier das Gewebe. Alles in allem kann gesagt werden, dass es den Unteren Erwärmer behandelt, nämlich auch Gebärmutterkrämpfe und Nierenschmerzen lindert. Ein spannender Aspekt ist die Nieren-Angst, welche mit dem Bruchkraut auch weniger wird.
Kraut, das das Blasen-Qi behandelt
Leber-Qi bewegendes Kraut (im Unteren Erwärmer)
Den Geist beruhigendes und harmonisierendes Kraut
Ausführlich werden die Kategorien unter Kategorien & Rezepturen vorgestellt. Dort werden auch weitere Pflanzen gelistet, die wir der jeweiligen Kategorie zugeordnet haben.
Wir setzen Heilpflanzen in der Regel nicht als Einzeldroge, sondern gemeinsam mit anderen Heilpflanzen ein; wie wir sie kombinieren, ist im Abschnitt “Rezepturenlehre” erläutert. Informationen zu den verschiedenen Darreichungsformen sind in der Rubrik "Theoretische Grundlagen" hinterlegt.
Keine bekannt.
Nicht zusammen mit Bärentraube in einem Tee verordnen: Bärentraube muss gekocht werden, Herniaria verliert dadurch alle Inhaltsstoffe.
Bisher fehlen Erkenntnisse und Daten zur Sicherheit der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Die Anwendung wird daher nicht empfohlen.
Treten unter der Behandlung Fieber, Krämpfe beim Wasserlassen, Dysurie oder Hämaturie auf oder verschlechtern sich die Beschwerden, sollten ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden.
Keine bekannt.
Im Falle einer geplanten gemeinsamen Anwendung zusammen mit Arzneistoffen sollten Nutzen und Risiken gemeinsam mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgewogen werden.
Die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe kann sich je nach Standort, Klima und Zeitpunkt der Ernte der Arzneidroge sowie dem Auszugsmittel und der Darreichungsform unterscheiden. Ausführlich werden die Pflanzenstoffgruppen unter Pflanzenstoffe A-Z vorgestellt.
Die von uns bei der Erstellung der Inhalte für diese Webseite verwendeten Fachbücher sind im Literaturverzeichnis einsehbar. Darüber hinaus basieren die Inhalte zu dieser Pflanze auf folgenden Quellen:
> Kozachok S, Kolodziejczyk-Czepas J, Marchyshyn S et al. Comparison of Phenolic Metabolites in Purified Extracts of Three Wild-Growing Herniaria L. Species and Their Antioxidant and Anti-Inflammatory Activities In Vitro. Molecules. 2022 Jan 14;27(2):530.
> Sefrioui MR, El Othmani IS, Filali H et al. Evaluation of spermicidal activity of saponosides from Saponaria officinalis/Caryophyllaceae, Glycyrrhizia glabra/Fabaceae and Herniaria glabra/Caryophyllaceae. Med Pharm Rep. 2021 Apr;94(2):239-247.
> Assessment Report der europäischen Arzneimittelbehöre (EMA)
> HPMC Monographie der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA)